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Tomorrow is always too long
Tomorrow is always too long
© Rapid Eye Movies

Kritik: Tomorrow is always too long (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Phil Collins, der mit "Tomorrow Is Always Too Long" seinen ersten Langfilm vorlegt, ist nicht der berühmte Musiker und ehemalige Schlagzeuger und Sänger von Genesis, sondern ein bildender Künstler, der in Berlin lebt und in Köln unterrichtet. Ebenso ist dieses Filmdebüt trotz der anderslautenden Ankündigung nicht ohne Weiteres als Hommage an Glasgow, als die schottische Heimatstadt des Künstlers zu erkennen.

"Tomorrow Is Always Too Long" verwebt einen allgemeinen Querschnitt durch elementares menschliches Treiben vom Kindesalter bis zum Rentnerdasein mit dessen Inszenierung und Überlagerung durch eine stumpfe TV-Welt der Shopping-Kanäle und der Sozial-Shows. Hierbei blickt Phil Collins mit sichtlicher Sympathie auf ein älteres verliebtes Paar, planlose Kandidaten in einer Rate-Show und einen jungen Strafgefangenen.

Die oftmalige Banalität des Gezeigten gibt umso mehr den Blick frei auf die kleinen Eigenheiten der auf diese Weise Porträtierten. Obwohl hierbei Inszenierung und tatsächliche Dokumentation oftmals schwer auseinander zu halten sind, werden so mit der Zeit gewisse Gemeinsamkeiten dieser Menschen sichtbar, die somit als eine Art von Glasgower Geist erscheinen.

Es ist eine gewisse Verschmitztheit, Lässigkeit und Unkonventionalität, welche einen Großteil der Protagonisten miteinander verbindet. Da ist beispielsweise die morgendliche TV-Fitnesstrainerin, die in einem kunterbunten Aerobik-Dress zunächst einmal sämtliche Arten von Drogen aufzählt, die jetzt per frühmorgendlicher Gymnastik wieder ausgeschschwitzt werden wollen. Da ist die ältere Dame, die im TV-Interview schmunzelnd erklärt, dass ihre beiden ersten Ehemänner verstorben waren, worauf ihr jetziger Mann einwirft, er sollte sich eigentlich ein Schild "gefährdet!" auf die Stirn pappen lassen.

Dieser leicht anarchische Geist bestimmt ebenso die gefakten Werbespots: Da erzählt ein junger Mann bei einer Telefonsex-Werbung von tieferen Gefühlen und es gibt einen Spot für einen Haftstreifen, der bei Sicherheitskontrollen 89% aller Scanner zum Ausschlagen bringt. Daraufhin berichten die glücklichen Träger von dem tollen Gefühl endlich einmal wieder richtigen Körperkontakt in Form der folgenden Leibesvisitation erlebt zu haben.

Da es letztendlich zumeist mehr die Menschen sind, die eine Stadt besonders machen, als die bekannten Sehenswürdigkeiten ist "Tomorrow Is Always Too Long" so letztendlich doch eine Liebeserklärung des Künstlers an Glasgow geworden. Allerdings verlangt Phil Collins bei der oftmals recht langen Aneinanderreihung von relativ banalen Szenen vom Zuschauer ein hohes Maß an Konzentration ab, soll jenem nicht der eigentliche Kern des Gezeigten entgehen.

Fazit: Banal und verspielt, lokale Eigenheiten der Glasgower und allgemeine Eigenheiten der globalen Medienmenschen vermischend, präsentiert dieser Film ein buntes Potpourri von lustigen, liebenswerten und langweiligen Beobachtungen.





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