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Kritik: Heupferde (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der Filmtitel "Heupferde" wird hier metaphorisch gebraucht und steht stellvertretend für alles auffressende Heuschrecken, die der unbändigen Liebe der beiden Hauptfiguren füreinander nicht unähnlich sind. Ebenso wild, ungezügelt und instinkt- sowie lustgetrieben, wie die Heuschrecken in der Natur oft vorgehen, so verhält es sich auch mit der kräftezehrenden, zerstörerischen Beziehung zwischen Artem und Lera. "Heupferde" ist der neueste Film des russischen Regisseurs und Darstellers Egor Baranov, der sich in seiner Heimat vor allem in diesem Jahr mit der TV-Serie "Fartsa" einen Namen gemacht hat. Im Zuge dieses Erfolgs, findet "Heupferde" nun auch seinen Weg in ausgewählte deutsche Kinos. Die Hauptrolle in dem Erotikfilm spielt der umtriebige russische Star-Schauspieler Pyotr Fyodorov, der allein in den letzten zwei Jahren sieben Filme gedreht hat.

Ab und an mutet "Heupferde" hinsichtlich seiner Story ein wenig wie eine moderne Version von "Romeo und Julia" an: zwei eigentlich füreinander bestimmte, sich innig liebende Menschen, die aufgrund widriger, von ihrer Umwelt herbeigeführter Umstände nicht zukommen kommen und zueinander finden dürfen. Das größte Problem, das der Film dabei hat, ist seine Fadenscheinig- und Unglaubwürdigkeit in der Handlung und die für den Zuschauer nur sehr schwer nachvollziehbar agierenden Personen. Die Handlung ist nicht im Mittelalter angesiedelt und spielt auch nicht im Nahen Osten sondern im modernen Russland des 21. Jahrhunderts. Wieso sich also die weibliche Hauptfigur dem Druck und Willen der Eltern beugt und den ungeliebten Freund der Familie ehelicht, bleibt das größte Rätsel des Films.

Hier handelt es sich schlicht um ein erzwungenes, künstlich und mit Gewalt herbeigeführtes Story-Element, um den großen Konflikt im Film (die sich aufbauende Eskalation) aufkommen zu lassen und seine Dramatik damit zu steigern. Der Film lebt von seiner knisternden, sinnlichen Erotik, vor allem zwischen den beiden Hauptfiguren. Die Sexszenen sind dabei durchaus glaubwürdig und sehr mitreißend gefilmt, auch wenn es Regisseur Baranov - vor allem wenn er die leidenschaftlichen Szenen in lüsternes Blau taucht oder er es die Liebenden im lauwarmen Regen treiben lässt - mit der Hemmungslosigkeit und ungezügelten, inbrünstigen Hingabe in manchen Szenen auch übertreibt. Dennoch machen vor allem die beiden Darsteller ihre Sache durchweg solide und spielen weitestgehend realistisch und glaubwürdig, einer der wenigen echten gelungenen Aspekte des Films. Am Ende wirkt die heraufbeschworene Gewalt wie im Prinzip der komplette Plot: beliebig, durchsichtig und mitunter sogar unfreiwillig komisch. Und unfreiwillige Komik ist bekanntlich das Todesurteil für jeden Film.

Fazit: Wenig glaubwürdige, allzu reißerisch und überzogen hemmungslos dargestellte, erotische Liebesgeschichte mit immerhin akzeptablen Darsteller-Darbietungen.




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