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Der Kuaför aus der Keupstraße (2015)

Der Kuaför aus der Keupstrasse

Dokumentation über den Nagelbombenanschlag des NSU auf ein Friseurgeschäft inmitten des türkischen Zentrums in Köln-Mülheim im Jahre 2004.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 2 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Die Keupstraße ist so etwas wie das Zentrum des türkischen Lebens, vor allem des Geschäftslebens, im Kölner Stadtteil Mühlheim. Der 09. Juni 2004 verändert das Leben der dortigen Geschäftsleute, Ladeninhaber und Bewohner grundlegend. Gegen 16 Uhr Nachmittags detoniert ein Nagelbomben-Sprengsatz direkt vor dem Friseursalon "Kuaför Özscan", der Brüder Özcan und Hasan Yildirim. Ein Attentat mit tragischen Folgen: 22 Menschen werden verletzt, vier davon schwer. Der Laden wird völlig zerstört. Den Ermittlern gelingt es jedoch erst Jahre später, den hinterhältigen und brutalen Anschlag dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zuzuordnen.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Bis zu diesem Zeitpunkt vergehen sieben Jahre. Denn zunächst gelten die Yildirims selber als Verdächtige und Drahtzieher. Sie werden beschuldigt, durch das Attentat Versicherungsbetrug an ihrem eigenen Laden versucht zu haben. Später dann behauptet die Polizei, hinter dem Anschlag stehe organisierte Kriminalität oder ein Familienstreit. Eine terroristische oder rassistisch-fremdenfeindliche Motivation wird jahrelang ausgeschlossen, die Ermittler beharrren auf ihren Ursprungsverdächtigungen. Auch auf diesen Umstand - die fehlende Weitsicht und die Voreingenommenheit der Beamten - geht die eindringliche, mitreißende Dokumentation "Der Kuaför aus der Keupstraße" ausgiebig ein. Regisseur Andreas Maus kehrt zehn Jahre nach dem brutalen Angriff zurück in die Keupstraße und spricht mit den Opfern.

In den ersten Minuten zeigt Maus in langen Einstellungen einige der Geschäftsleute der Keupstraße in ihren Läden. Sie sehen friedlich und bestimmt aus, aber in ihnen ist der Schrecken und sind die Gedanken an das Verbrechen vom Sommer 2004 noch nicht gewichen. Alle der gezeigten Personen haben den Anschlag entweder am eigenen Leib erfahren, ihn gesehen oder zumindest gehört. Die Bombe war willkürlich vor dem Friseurladen platziert worden, auch jedes andere Geschäft hätte Opfer der Bombe werden können.

In ausführlichen Gesprächen, lässt Regisseur Maus die Betroffenen vom 09. Juni berichten. Dazwischen blendet er immer wieder Original-Aufnahmen vom Anschlagstag ein, die z.B. zeigen, wie die Opfer blutüberströmt vom Rettungsdienst abtransportiert werden. Es sind verstörende und brutale Bilder, die man so schnell nicht vergisst. Auch, weil sie sich mitten in Deutschland abspielen, in unserer unmittelbaren Nachbarschaft.

In erster Linie kann man "Der Kuaför aus der Keupstraße" aber als kritische Reflexion und Bewertung der schlampigen und von Vorurteilen gegenüber den Anwohnern und den Inhabern geprägten Ermittlungen verstehen. Aufwendig und detailliert rekonstruiert der Film die Arbeit der Polizei anhand der Verhörprotokolle. Dabei greift Maus auch auf die Möglichkeit der szenischen und darstellerischen Umsetzung der Protokolle zurück, in dem er Schauspieler etwa die Verhöre durch die Beamten akribisch genau nachstellen lässt. Ein sieben Jahre währender, turbulenter und konfuser Ermittlungsirrsinn wird losgetreten. Die ganze Absurdität wird allein schon an der Frage deutlich, die die Beamten Inhaber Özcan Yildirim als erstes stellen, nachdem sie am Anschlagsort eintrafen. Es ist eine Frage, die an Ressentiments und Befangenheit gegenüber ausländischen Mitbürgern kaum zu überbieten ist.

Fazit: Die sehenswerte, da kritische und die Ereignisse umfassend beleuchtende Doku "Der Kuaför aus der Keupstraße" legt ihren Schwerpunkt auf die Darlegung der Ermittlungsarbeiten im Anschluss des Nagelbombenschlags in Köln von 2004. Diese gestalteten sich als schlampig und einseitig. Sie zeigen auch heute noch die kaum fassbare Voreingenommenheit sowie die Vorurteile der Ermittler auf.




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Land: Deutschland
Jahr: 2015
Genre: Dokumentation
Länge: 92 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 25.02.2016
Regie: Andreas Maus
Darsteller: Jonas Baeck, Aylin Esener, Joachim Gauck
Verleih: Real Fiction

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