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Parchim International
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© Neue Visionen

Kritik: Parchim International (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Eigentlich wäre es die perfekte Geschäftsidee gewesen: den verschlafenen Flughafen von Parchim zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt auszubauen. Es gibt in der Ebene Mecklenburg-Vorpommerns genug Raum zum Expandieren, Hamburg und Berlin sind nicht weit entfernt. Deren Flughäfen wollte der ehemalige Verkehrsminister Günther Krause zu Beginn der 1990er Jahre gar durch Parchim ersetzen, scheiterte jedoch. Mit dem Kauf des Flughafens 2007 durch den Chinesen Jonathan Pang kam ein Traum von wirtschaftlichem Aufschwung in die Region, den der neue Eigentümer ideenreich auszumalen verstand. Aber Parchim ist immer noch kein Zentrum der Globalisierung geworden, wo sich Passagiere aus aller Welt in Shoppingmalls tummeln und im Casino Geld verspielen. Es gibt keine Lager- und Fertigungshäuser für nigerianische und chinesische Produkte, obwohl Pang all das vielleicht noch weiter vorschwebt. Der Dokumentarfilmer Stefan Eberlein und sein Co-Regisseur und Kameramann Manuel Fenn haben Jonathan Pang und seine Mitarbeiter über einen Zeitraum von sieben Jahren begleitet. Das Ergebnis ist ein aufschlussreiches und humorvolles Stück über Geschäftsideen, Blütenträume und die schnöde Realität.

Zunächst sind alle, vom Fluglotsen bis zum Feuerwehrmann, in Parchim beeindruckt von den Plänen Pangs. Er trägt sie vor Ort und in China Funktionären aus Politik und Wirtschaft vor. Wenn er nicht in Parchim weilt, vertritt ihn sein Berater Werner Knan, ein eloquenter Bayer, der Ärger mit den Behörden gewöhnt ist. Zum Beispiel beim Thema Munitionsbergung auf dem künftigen Baugebiet und dem Warten auf die amtlich bescheinigte "Kampfmittelfreiheit". Der Lotse sitzt immer noch in seiner provisorischen Baracke und schaut auf den neuen Tower. Der Chinese denke halt in größeren Zeitdimensionen, sagt er. Aber Pang ist auch nur ein fehlbarer Mensch, der zudem recht sprunghaft wirkt.

Nach und nach bekommt der Film den Charakter einer Posse mit ungewissem Ende. Weil Pang gerne joggt, wird diese nonverbale Durchhalteparole als eine Art Running Gag verwendet. In Parchim schneit es, dann wird es Sommer, die Start- und Landebahn liegt still im Nieselregen. Überall herrscht großes Rätselraten über die Zukunft – aber der Film selbst sucht gar nicht nach Lösungen, er stellt nur die Konfusion fest. Vielleicht findet sich ja unter den Zuschauern jemand mit einer zündenden Idee, wie es in Parchim weitergehen könnte.

Fazit: Sieben Jahre lang haben die Filmemacher Stefan Eberlein und Manuel Fenn den chinesischen Unternehmer Jonathan Pang, der den Flughafen Parchim in Mecklenburg-Vorpommern besitzt, mit der Kamera begleitet. Die meisten der großen Pläne, den Airport zu einem internationalen Drehkreuz mit angeschlossenem Handelszentrum auszubauen, erfüllen sich in dieser Zeit nicht. Die wachsenden Zweifel, das Tappen im Dunkeln werden mit humorvollem Sinn fürs Skurrile geschildert und ergeben eine aufschlussreiche Einführung in die Komplexität der Dinge.




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