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Kritik: König Laurin (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Für seinen ersten Spielfilm adaptierte der aus Südtirol stammende Regisseur und Drehbuchautor Matthias Lang eine alte Sage aus seiner Heimat. Sie handelt vom Zwergenkönig Laurin und seinem verzauberten Rosengarten. Nach seiner Niederlage im Kampf gegen Dietrich von Bern verfluchte Laurin die Rosen, auf dass sie weder bei Tag, noch bei Nacht jemals wieder leuchten sollten. In diesem Kinderfilm aus deutscher Produktion wird Laurin der Freund eines Königssohns, der so gar nicht nach dem Wunsch des Vaters geraten ist. Das vergnügliche und spannende Kino-Abenteuer wurde unter anderem mit dem Kinder-Medien-Preis "Der weiße Elefant" auf dem Filmfest München 2016 ausgezeichnet.

Die Geschichte spielt in den Alpen in spätmittelalterlicher Zeit. Man glaubt noch, dass die Erde eine Scheibe ist, und die adligen Fräulein müssen die Sieger der Ritterturniere heiraten. Damit er endlich groß genug für die Rüstung wird, bindet man Theodor auf eine Streckbank. Er absolviert die Zeit auf dem Folterinstrument wie ein ungeliebtes Sporttraining, das nur zu seinem Besten ist. So witzig und unbekümmert ist der Tonfall dieser Geschichte über eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung, die an "Drachenzähmen leicht gemacht" erinnert, aber über ihre eigene märchenhafte Magie verfügt. Für sie ist Laurin zuständig, zum Beispiel mit seinem Kraftgürtel und Tarnumhang. Volker Zack stattet den Zwerg mit einem intensiven Blick und mit einem Ernst aus, der neben Vernunft auch eine distanzierte Eigenwilligkeit signalisiert und Respekt gebietet. Florian Burgkart spielt Theodor sehr sympathisch als friedliebenden, gewitzten Jungen, der ebenso gerne gärtnert wie Laurin.

Die magischen Elemente werden sparsam, aber gezielt eingesetzt und frischen mit ihren Farbtupfern die vielen Grau- und Brauntöne der Gewänder, Requisiten und Kulissen auf. Trotz des düsteren Szenarios wirkt die spannende Handlung stets leichtfüßig. Dafür sorgt immer wieder der trockene Humor, der sich bewusst jeglicher Rührung verweigert. So spricht zum Beispiel Laurin, als Theodor beim Schneckensammeln eine schlimme allergische Schwellung entwickelt, von "leichten Nebenwirkungen". Wie der Tonfall selbst, pendelt auch die Sprache gekonnt zwischen Alt und Neu. Es werden Begriffe aus der Gegenwart eingestreut, wie "Exportschlager" oder dass etwas "funktioniert". Als zusätzliches Spaßelement funktionieren solche verbalen Kontrastmittel hier jedenfalls sehr gut.

Fazit: In seinem Spielfilmdebüt verknüpft Regisseur Matthias Lang die Südtiroler Sage vom Zwergenkönig und seinem leuchtenden Rosengarten mit der Geschichte eines Jungen, der nicht den väterlichen Erwartungen entspricht. Angesiedelt in einer mittelalterlich-märchenhaften Vergangenheit, überzeugt die spannende und witzige Geschichte vor allem wegen des gelungenen Brückenschlags zur Gegenwart, die sich in der Mentalität der Charaktere und im Sprachgebrauch immer wieder bemerkbar macht.





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