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FBW-Bewertung: SMS für Dich (2015)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Die Versuche, eine deutsche RomCom zu drehen, sind ebenso so zahlreich wie im Endergebnis oftmals wenig erfreulich. Umso positiver hingegen nimmt sich in diesem Genre das Regiedebüt der Schauspielerin Karoline Herfurth aus, die zudem noch die weibliche Hauptrolle übernimmt und beide Parts mit Bravour meistert. Eine erste Kostprobe ihres darstellerischen Könnens bietet sie gleich zu Beginn, den man nicht anders als furios bezeichnen kann. Durch das Fenster einer Kneipe sehen wir sie, mitten im Leben stehend, auf der Höhe ihres privaten wie beruflichen Glücks: Als erfolgreiche Kinderbuchautorin und Illustratorin der Buchreihe um die kleine Raupe Rieke ist Clara Sommerfeld einer der Stars ihres Verlags. Privat scheint sie glücklich liiert mit dem Mann an ihrer Seite, den sie verliebt anlächelt. Dann verabschiedet er sich, sie bleibt allein zurück - und wird durch das Fenster Zeuge davon, wie ihr Freund Ben beim Überqueren der Straße überfahren wird. Ganz langsam sehen wir ihr dabei zu, wie sie langsam realisiert, was gerade geschehen ist: Ungläubigkeit,Verwirrung und dann Entsetzen über den Unfall, der ihr Leben verändern wird, all das spiegelt sich in Herfurths Gesicht wieder - und kurz vor der größten Emotion erfolgt der Schnitt. Und genau in diesem Ausspielen der Szene und der Entscheidung, sie nicht zur Gänze auszudehnen, sondern kurz vordem Höhepunkt abzubrechen, verbindet sich die Brillanz der Schauspielerin Karoline Herfurth mit dem Geschick der Regisseurin gleichen Namens.

Was folgt, ist eine Geschichteüber Trauer und die Schwierigkeiten, zurück ins Leben und in die Liebe zu finden, die ihre großen Themen mit leichter Hand und viel Romantik und Witz verhandelt. Clara kehrt nach einer Trauerzeit zurück nach Berlin, doch so richtig will sie nicht loslassen von ihrem Schmerz. Sie beginnt damit, der Mobilnummer ihres verstorbenen Verlobten SMS-Nachrichten zu schreiben - und diese Nachrichten kommen sogar an. Natürlich nicht bei ihm selbst, sondern beim Journalisten Mark, der der neue Inhaber von Bens alter Nummer ist. Und so beginnt eine merkwürdige Romanze, die am Ende allen Unwahrscheinlichkeiten zum Trotz ein gutes Ende findet.

Virtuos jongliert der exzellent geschriebene Film mit den Formeln und Versatzstücken der RomComs, erinnert an E-MAIL FÜR DICH, SCHLAFLOS IN SEATTLE und an GHOST - NACHRICHT VOM SAM, ohne diese Vorbilder einfach nur zu imitieren. Gelungen ist auch die Balance zwischen Heiterkeit und ernsthaften Momenten, die auf dem schmalen Grat zwischen Romantik und Kitsch balancieren, dietreffend gespielten und inszenierten Nebenfiguren (allen voran die beiden Sidekicks Frederick Lau und Nora Tschirner, aber auch Katja Riemann als exzentrische Schlagerdiva, die für Mark fast so etwas wie eine Art Mentorin in Liebesdingen wird) sowie die liebevolle Ausstattung. Ingesamt ist SMS FÜRDICH eine sehr gelungene romantische Komödie, die sich wahrlich nicht hinter den großen Vorbildern aus Übersee verstecken muss.




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