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Die Krone von Arkus
Die Krone von Arkus
© 24 Bilder

Kritik: Die Krone von Arkus (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Spielfilmdebüt der Regisseurin und Drehbuchautorin Franziska Pohlmann ist eine versponnene, sehr fantasievolle Märchengeschichte mit Musicaleinlagen. Auch die Musikstücke stammen aus der Feder von Pohlmann. Die ganz in Weiß gekleidete Königin Schiija, die als "Diamanz" angeredet wird, ist eine Diktatorin, die eine idyllische Stadt von anno dazumal unterdrückt und komplett zu verwandeln droht. Weil sie nach dem reinsten Kind der Stadt sucht, verstecken die Bewohner ihren Nachwuchs, aber die Soldaten der Königin sind überall.

Es gibt verschiedene Schauplätze und soziale Räume in dieser etwas verworrenen Geschichte. Die Diamanten-Königin, die an "Alice im Wunderland" erinnert, und ihre dekadente, ziemlich verrückte Entourage hausen in einem Höhlenschloss. Dort werden auch viele Kinder gefangen gehalten, die quasi als Hofstaat geschminkt und verkleidet sind. In der Stadt Arkus mit ihren Fachwerkhäusern gibt es fleißige Handwerker, eine Schneiderin und einen Bäcker. Sie müssen sich mächtig anstrengen, um die Wünsche der Königin zu erfüllen. Und dann sind da noch die obdachlosen Kinder, die hungern und auf Dachböden schlafen: Der Zauberdieb Jono ist der Anführer einer solchen Gruppe. Jono und Saraja verdingen sich als Lehrlinge bei den Meisterbetrieben, um die Geschenke für die Königin in ihren Besitz zu bringen. Flankiert wird das Ganze auch noch von einer kleinen Rahmenhandlung, in der dieses Märchen aus einem dicken Buch vorgelesen wird.

Zwar gibt es auch Kinderdarsteller, aber die Hauptrolle des Straßenkindes Saraja zum Beispiel wird von einer Erwachsenen gespielt. Man muss also immer im Geiste übersetzen, dass manche Figuren ihrem Aussehen zum Trotz Kinder sein sollen. Solche Ungereimtheiten verstärken den Eindruck eines Bühnenstücks, an dem alle Mitwirkenden naiv und unbekümmert drauflos spielen. Den mittelalterlichen Kostümen und Kulissen wird digital erzeugte Fantasy hinzugefügt, etwa wenn die Königin in der Stadt auftaucht und sich aus lauter herumschwirrenden, glänzenden Schnipseln manifestiert. Der Kampf der Guten, Kleinen und Ärmsten gegen das Böse bleibt als zentrales Thema immer erkennbar, selbst wenn sich die Geschichte zwischendurch in makabre, zu wenig erklärte oder unnötige Aspekte – wie die Szenen mit den lebendigen Papiertieren Sarajas - verirrt. Der originelle Film verlangt die Bereitschaft, sich auf seine ausgefallenen Gedankengänge und Szenarien einzulassen und belohnt dafür mit einer Atmosphäre, in der der Fantasie wie im Theater Flügel wachsen.

Fazit: Das versponnene Märchenmusical von Franziska Pohlmann tanzt unbekümmert zwischen Straßenkinder-Romantik und Anleihen bei "Alice im Wunderland", zwischen Kostüm- und mit Special Effects angereichertem Fantasyfilm. Die verspielte Originalität überzeugt im Großen und Ganzen, auch wenn die Ideenvielfalt manchmal ins Exzentrische umschlägt.




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