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Kritik: Jackie (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Filmische Biografien wagen meist einen gewagten Spagat: Sie wollen persönliche Geschichten erzählen und nah an ihren Figuren bleiben, aber zugleich doch von etwas Größerem als der rein privaten Ebene berichten. Historie, die sich über ein ganzes Leben erstreckt und nicht immer leicht verortet werden kann, soll komprimiert auf der Leinwand ihren Platz finden – und im besten Fall auch unterhalten.

Pablo Larraín inszeniert sein Biopic über Jaqueline Kennedy zwar nicht vollkommen abseits typischer Genrekonventionen, erlaubt sich mit "Jackie" allerdings wohltuenden Eigensinn. Außergewöhnlich ist da etwa, dass er seine Titelheldin nicht anhand einer ausufernden Biografie durchbuchstabiert, sondern sie anhand einer bisweilen irritierenden Momentaufnahme betrachtet.

"Jackie" bietet dem Publikum ein dynamisches Mosaik, das zwischen Zeiten und Räumen springt und in der Auslassung Substanz findet. Larraín und sein preisgekrönter Drehbuchautor Noah Oppenheim spielen dabei offensiv mit Fakt und Fiktion und schaffen so ein filmisches Geflecht, das auf komplexe Weise der Frage nachspürt, wie Geschichte geschrieben wird.

Vor dieser Aufgabe steht auch die Protagonistin, die sich entschließt, den Mythos um ihren verstorbenen Mann maßgeblich zu formen. Natalie Portman spielt diese Jackie facettenreich und dank penibler Vorbereitung sowie dem passenden Look mit hohem Wiedererkennungswert. Mitunter wird das Bemühen, das hinter dieser Performance steckt, vielleicht zu deutlich.

Andererseits macht es durchaus Sinn, dass Portman nicht leichtfüßig in ihrer Figur aufgeht und ihre Arbeit spürbar bleibt. Denn "Jackie" ist kein Film, der ein seinen Reiz aus der perfekten Übereinstimmung zwischen Wirklichkeit und Fiktion bezieht, sondern vielmehr durch seine Unschärfen, Lücken und Andeutungen fasziniert.

Fazit: Pablo Larraín zeigt eine faszinierende Momentaufnahme aus dem Leben der Jacqueline Kennedy. Einem Mosaik gleich versucht "Jackie" nicht, die Wirklichkeit möglichst umfassend abzubilden, sondern schafft aus Auslassungen, Close-ups und Andeutungen ein komplexes Geflecht, das Fragen nach der Gemachtheit von Geschichte aufwirft. Im Zentrum steht dabei stets Natalie Portmans facettenreiche Performance als Präsidentenwitwe.




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