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Kritik: Alaaf you (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Wenn vom Kölner Karneval die Rede ist, dürfen das Dreigestirn, der Rosenmontagszug, die Gardemariechen nicht fehlen. Also kommen sie auch im Kinoregiedebüt des Wahlkölners Bariş Aladağ vor, einem aus Aufnahmen von Karnevalsteilnehmern und -beobachtern zusammengestellten Dokumentarfilm. Hauptsächlich aber wird hier die Stimmung auf den Straßen eingefangen. In ihr vereinen sich Tradition, Liebe zur Heimatstadt und der Wunsch, sich als große, ausgelassene Gemeinschaft zu feiern. Die kostümierten Menschen, ihre mehr oder minder beschwipste Glückseligkeit, das Einstimmen in die Schunkellieder wirken ansteckend: Auch diejenigen Leute aus dem Rest der Republik, die mit dem Karneval eher fremdeln, dürften es beim Betrachten dieses Films schwer finden, reserviert zu bleiben.

Auch ein-zwei Stimmen von Karnevalsgegnern fängt der Film ein. So konstatiert etwa ein Mann: "Es ist wirklich anstrengend, wenn man das nicht mag". Die Leute trinken in großen Gruppen auf der Straße, überall ertönt Musik, das sonst im Land so beliebte Ruhegebot scheint radikal außer Kraft gesetzt. Die Montage der vielen Aufnahmen legt auch schon mal eine tendenzielle Verwandtschaft von angeregter Schunkelstimmung und Grölen im Vollrausch nahe. Dennoch erzählen die meisten voller Lust vom Karneval, selbst eine bald 100-jährige Kölnerin, die daheim vor dem Fernseher sitzt. Auch ans Bett von Krankenhauspatienten kommen die Jecken und ein Arzt verwandelt sich in den Organisator der Klinikparty. Der Musiker Clueso setzt sich eine Langhaarperücke auf, bevor es zu Auftritten auf der Straße geht. Die Aufnahmen in der Menge, in Zubringerzügen oder von Bands, die modernere Musik spielen, beweisen es: Egal ob Traditionalist oder Jung-Alternativer – im Karneval sind die Kölner vereint. Wäre nicht gerade Winter, der eine oder andere Betrachter könnte für einen Moment glauben, in New Orleans gelandet zu sein.

Diese Vielfalt der Impressionen und Einzelstimmen beeindruckt und sorgt für eine mitreißende Atmosphäre, die Köln richtig liebenswert macht. Allerdings sind viele der Amateuraufnahmen schrecklich verwackelt und unscharf. Auch der häufige Wechsel der Bildformate ist auf Dauer ausgesprochen anstrengend. So wünscht man sich des öfteren eine ruhige Profi-Hand an der Kamera, die durchaus ähnlich aussagekräftige Momenteindrücke in höherer Qualität liefern könnte.

Fazit: Der Dokumentarfilm zeigt den Kölner Karneval aus der Perspektive der Teilnehmer, indem er viele verschiedene Amateuraufnahmen verwendet. Das Treiben auf den Straßen und die seligen Gesichter verfehlen ihre Wirkung nicht und sichern dem besonderen Lebensgefühl in der Stadt und ihrer Traditionspflege Sympathien. Nur die schlechte Qualität vieler Filmschnipsel vermag es, die Feierlaune beim Zuschauen etwas zu dämpfen.




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