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Die Kommune
Die Kommune
© Prokino © 24 Bilder

Kritik: Die Kommune (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nach "Submarino" (2010) ist der dänische Regisseur Thomas Vinterberg mit "Die Kommune" 2016 erneut mit einem Film im Wettbewerb der Berlinale zu Gast. Die Handlung ist lose inspiriert von eigenen Kindheitserlebnissen des Regisseurs. Behandelt wird ein Experiment, wie es typisch für den Zeitgeist der 1970er-Jahre war. Wie bei vielen anderen bekannteren Kommunenexperimenten - besonders krass zuletzt in Bezug auf die Kommune von Otto Mühl in "My Talk with Florence" (2015) - zeigt sich, dass die schöne Idee vom freien gemeinschaftlichen Leben in der Wirklichkeit oft weit weniger freudvoll, als in der Fantasie aussieht. In "Die Kommune" ist es insbesondere Anna, die an ihrem eigenen freigeistigen Anspruch zu zerbrechen droht, nachdem die neue Freundin ihres Mannes - auf Annas Vorschlag hin (!) ebenfalls in der Kommune einzieht.

"Die Kommune" zeigt Thomas Vinterberg in Höchstform. Der Film ist von einer ähnlichen emotionalen Intensität, wie sein berühmtes Dogma-95-Drama "Das Fest" (1998). Aber während "Das Fest" ein einziger anhaltender Sturz in emotionale Abgründe darstellt, bietet "Die Kommune" die gesamte Bandbreite menschlicher Emotionen. Wie es in einem im Film zweimal gespielten dänischen Schlager heißt, geht es einfach um "das Leben": Lieben, Leiden, Heranwachsen, Tod, Freude, Verzweiflung, Aufbruch, Stillstand, Konflikt und Harmonie wechseln sich in rascher Folge ab. - Es wird gefeiert und gestorben.

Dabei präsentieren sich die Protagonisten nicht nur beim gemeinsamen Badeausflug komplett nackt, sondern auch bei diversen Gefühlsausbrüchen am großen gemeinsamen Esstisch. Dort wird jedoch nicht ausschließlich Trübsal geblasen, sondern ebenfalls ausgelassen gefeiert und gelacht. So entpuppt sich die etwas verrückte Kommune mit der Zeit als ein Mikrokosmos, welcher fast die gesamte Bandbreite menschlicher Erfahrungen abdeckt und in dem sich demzufolge jeder Zuschauer an verschiedenen Stellen wiederfinden kann. Mit geringen Mitteln gelingt Vinterberg hier somit etwas Großes.

Fazit: "Die Kommune" ist ein Film zum Lachen und zum Weinen, dessen große emotionale Ehrlichkeit verblüfft und in dem sich jeder ein Stück weit wiederfindet.




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