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Fritz Lang
Fritz Lang
© W-Film © Belle Epoque

Kritik: Fritz Lang (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Fritz Lang" lautet lapidar der Titel dieses Doku-Dramas, das wohl ganz genau um die Strahlkraft des berühmten Namens weiß. Dabei erweist sich Gordian Mauggs Film allerdings nicht als typisches Biopic, das versucht den historischen Lang akkurat zu porträtieren. Stattdessen rekonstruiert Maugg die Entstehung des Filmklassikers "M" und verbindet dazu freimütig Fakten und Fiktionen. Lang wird in diesem zwischen Wahn und Wirklichkeit schillernden Spiel zu einer Figur, wie sie auch in seinen eigenen Filmen hätte vorkommen können: ein nach Außen eher unauffälliger Mensch, in dessen Innern sich jedoch wahre Abgründe auftun.

Wie bereits in seinen früheren Filmen, etwa "Der Olympische Sommer" (1993) oder "Zeppelin!" (2005), vermischt Maugg für seinen Historienfilm Spielszenen und Archivmaterial auf bemerkenswerte Weise: Neu inszenierte Bilder, die jedoch durch das Format 4:3 sowie das Fehlen von Farbe Langs "M" heraufbeschwören, und alte Ausschnitte aus Wochenschauen und natürlich "M" selbst stehen gleichberechtigt nebeneinander. Die Brüche, die der Mix erzeugt, sind dabei natürlich meist nicht zu übersehen, grobkörnige Aufnahmen treffen auf glatte Digitalbilder – nur ab und zu verbinden sich die Bildsorten nahtlos, etwa wenn Heino Ferch als Lang in einer Szene aus "M" auftritt.

Ästhetisch ist das durchaus interessanter als all die Doku-Dramen, die Doku und Drama fein säuberlich trennen, und wirft zudem Fragen über die Gemachtheit und Künstlichkeit von Kino auf. Letztlich kratzt "Fritz Lang" bei diesen Meta-Betrachtungen aber nur an der Oberfläche, der eigenwillige Look wird mehr und mehr zum bloßen Selbstzweck statt zum Ausgangspunkt für Reflexionen. Überhaupt wirkt vieles in dieser Produktion vom Ansatz her interessanter, als es in der Umsetzung tatsächlich ist. Zwischen expressionistischem Kinokrimi, öffentlich-rechtlichem Bildungsauftrag und künstlerischen Ambitionen fehlt oft der Fokus auf das Wesentliche.

Maugg lässt zwar ähnliche Themen anklingen wie Lang in seinem "M", durchdringt diese dabei aber nie auf vergleichbare Art. Das Phänomen der Massenhysterie, die politischen und sozialen Umbrüche am Ende der Weimarer Republik oder die Figurenpsychologie wirken stets wie angerissen und nicht durchdacht. So lässt "Fritz Lang" über weite Strecken erstaunlich kalt, und das nicht etwa wegen seines künstlerischen Anspruchs, sondern wegen der Banalität, die diesen Anspruch durchkreuzt: Denn Langs Leben, so wie Maugg es erzählt, entpuppt sich bald als klischeehaftes Melodram, mit Thea von Harbou als Geschirr zertrümmernder Ehefrau und der trivialen Einsicht, dass auch der nette Herr von nebenan zu unvorstellbarer Grausamkeit fähig ist.

Fazit: Gordian Mauggs Doku-Drama erzählt die eher von Fiktionen als von Fakten inspirierte Geschichte um die Entstehung des Filmklassikers "M". Während der Film durch seine ungewöhnliche Mischung von Spielszenen und Archivmaterial ästhetische Akzente zu setzen weiß, verkommt die Geschichte mehr und mehr zum banalen Melodram.





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