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Hope for all
Hope for all
© Tiberius Film © 24 Bilder

Kritik: Hope for all: Unsere Nahrung - unsere Hoffnung (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Dokumentarfilme über Umwelt und Ernährung haben seit gut einem Jahrzehnt Konjunktur. "Unser täglich Brot" (2005), "Food, Inc." (2008) oder "Taste the Waste" (2011), um nur einige zu nennen, nehmen die industrielle Massenproduktion von Lebensmitteln in den Blick. Das Thema bewegt. "10 Milliarden – Wie werden wir alle satt?" war der bestbesuchte Dokumentarfilm des vergangenen Jahres. Die Herangehensweise der Regisseure ist dabei ganz unterschiedlich. Während manche die Fakten unkommentiert stehen und das Publikum selbst urteilen lassen, ergreifen andere Partei, wieder andere zeigen Alternativen auf. Nina Messinger hingegen prangert an.

Messingers Thesen lassen sich auf drei Kernpunkte beschränken: Fleisch macht krank. Die (industrielle) Fleischproduktion zerstört die Umwelt. Und Fleischkonsum ist ethisch nicht vertretbar. Experten aus Wissenschaft, Medizin und Umwelt nehmen vor der Kamera dazu Stellung. Deren Wortwahl ist zum Teil drastisch – es ist von einem "Tsunami" an Krankheiten und von "Epidemien" die Rede, die (zu viel) Fleischkonsum hervorrufen könne –, Messingers Auswahl der Experten selektiv. Für die Regisseurin gibt es keine Alternative zu einer rein pflanzlichen Ernährung. Der Frage, ob auch ein moderater Fleischkonsum gesund sein kann, geht sie erst gar nicht nach. Stattdessen bringt sie den Verzehr tierischer Produkte nicht nur mit den üblichen Verdächtigen wie Allergien, Migräne, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang, sondern auch mit Krebs. Konträre Meinungen oder gegenteilige Studien erwähnt Messinger nicht, holt dafür aber zahlreiche Interviewpartner vor ihre Kamera, die von den Heilkräften einer pflanzliche Ernährung schwärmen. Auch ein ehemaliger Krebspatient ist darunter. Dessen These, dass sein Essverhalten den Krebs besiegte, bestätigt freilich kein Mediziner. "Hope for all" lässt diese Aussage dennoch unwidersprochen stehen.

Es ist dieses Nebeneinanderstellen von seriösem wissenschaftlichem Unterbau und Kolportage, die diesen Film zu einem solchen Ärgernis macht. Messinger nutzt auch formal alle erdenklichen Mittel, um das Publikum (emotional) in ihre Richtung zu lenken. Das fängt bei der dick aufgetragenen, zutiefst dramatisierenden Musik an, setzt sich in plakativ eingeblendeten Zahlen und bedeutungsschwangeren Zwischenzitaten fort und mündet schließlich in Szenen, auf denen Menschen Kühe knuddeln und sich auf der grünen Alm an den Händen fassen. Purer Umweltkitsch.

"Hope for all" mag in vielen Punkten richtig liegen – gerade was die größtenteils unhaltbaren Zustände in der Massentierhaltung und die Umweltschäden durch den Futtermittelanbau angeht –, seine unsäglich plumpe, einseitige und teilweise reißerische Machart dürfte aber selbst so manchem Vegetarier die Zornesröte ins Gesicht treiben.

Fazit: "Hope for all" gibt vor, den Fleischkonsum und dessen Auswirkungen auf Mensch und Natur kritisch unter die Lupe zu nehmen. Tatsächlich ist Nina Messingers Dokumentarfilm jedoch ein Plädoyer für eine rein pflanzliche Ernährung. Dafür mag es ausreichend Gründe geben. Mit der plumpen Präsentation dieser Gründe dürfte Messinger allerdings kaum einen Fleischesser konvertieren. Bei der Umsetzung hätte sich die Regisseurin besser an Jane Goodalls Aussage gehalten, die Messinger ihrem Film vorangestellt hat. Darin rät die weltberühmte Primatologin dem Publikum, sich zu mäßigen.





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