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Mittwoch 04:45
Mittwoch 04:45
© Neue Visionen

Kritik: Mittwoch 04:45 (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In beeindruckenden Bildern führt der Regisseur und Drehbuchautor Alexis Alexiou in seinen düsteren filmischen Kosmos ein: Dauerregen, grelles Neonlicht und dunkle, unheilvoll in die Höhe ragende Hochhäuser prägen die ersten Minuten von "Mittwoch 04:45" und erinnern verblüffend an das Werk David Finchers. Doch allein bei dieser Assoziation soll es Alexiou nicht belassen, denn sein Thriller wandelt munter auf den Pfaden vieler großer Vorbilder und versteckt dabei seine Referenzen nicht in subtilen Details, sondern stellt sie geradezu plakativ aus.

Während die episodische Struktur, die lakonischen Dialoge sowie der dem grimmigen Ton entgegengesetzte Soundtrack aus melancholischen Balladen als Verneigung vor Quentin Tarantino gelten dürfen, ist die Story stark vom Hongkong-Kino beeinflusst: Schicksalhafte Begegnungen und eine mitunter opereske Dramatik bestimmen den Plot, visuell lehnt sich Bildgestalter Christos Karamanis dabei passenderweise immer wieder an Michael Manns rauschartige Exzesse an, ohne allerdings deren Wucht oder Stilbewusstsein zu erreichen.

Überhaupt gelingt es Alexiou zu keinem Zeitpunkt an die Klasse seiner einflussreichen Kollegen heranzureichen und seiner stimmungsvollen, aber wenig aufregenden Hommage die nötige Eigenwilligkeit zu verleihen. Der Bezug auf die griechische Finanzkrise etwa bleibt viel zu oberflächlich und so sorgt allein der faszinierende Hauptdarsteller Stelios Mainas für etwas Distinktion: Mainas spielt einen Mann, bei dem liebenswürdige Unbedarftheit und kalte Egozentrik nahtlos ineinander übergehen, und bildet das irritierende Zentrum dieses bisweilen allzu klischeelastigen Films.

Ein schlechter Film ist "Mittwoch 04:45" bei aller Kritik aber keineswegs, neben Mainas' Performance können vor allem einige atemberaubend schön fotografierte Szenen überzeugen. Doch ebenso wie die dichte Atmosphäre wirken sie teilweise verschwendet in der schieren Überfülle an Referenzen, Figuren, Motiven und Effekten. Ein konzentriertes Drehbuch sowie ein klarere Vision der Regie hätten hier sicherlich gut getan.

Fazit: Alexis Alexious großartig fotografierter Thriller ist übervoll an Referenzen und Effekten. Leider mangelt es an originellen Einfällen sowie einem eigenen Stil, lediglich der Hauptdarsteller Stelios Mainas vermag mit seinem irritierenden Spiel aus dem klischeehaften Neo-Noir-Drama hervorzustechen.





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