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Die Norm - Ist Dabeisein wirklich alles?
Die Norm - Ist Dabeisein wirklich alles?
© imFilm

Kritik: Die Norm - Ist Dabeisein wirklich alles? (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Gleich zu Beginn von Guido Weihermüllers "Die Norm – Ist Dabeisein wirklich alles?" beklagt der Weitspringer Sebastian Bayer, dass professionelle Sportler zu selten als komplexe Persönlichkeiten wahrgenommen werden und von den Medien allzu oft auf ihre Leistung reduziert werden. Dem scheint Weihermüller mit seinem Dokumentarfilm etwas entgegensetzen zu wollen und zeigt nicht die großen Erfolge und Auftritte im Rampenlicht seiner Protagonisten, sondern deren schwierigen Weg zum Ziel.

Jeder der fünf Sportler wird dabei über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr begleitet und in einer Art Homestory vorgestellt: Sonntagnachmittage an Muttis Kaffeetisch, Studentenalltag im Vorlesungssaal sowie die Freuden des Vaterwerdens bieten dabei wenig spektakuläre Einblicke und zeigen vor allem, dass die Berufsathleten im Grunde auch nur ganz normale Menschen sind. Wirklich nah kommt man dabei allerdings keinem der Sportler, zu oberflächlich bleibt die Schilderung des Privaten und die Aufmerksamkeit verteilt sich auf zu viele Schauplätze.

Das ist bedauerlich, denn "Die Norm" will das Publikum mit aller Kraft an Bayer und seine Kollegen heranführen und bedrängt die Zuschauer geradezu mitzufiebern: Die von Zeitlupen, Unschärfen und leichtem Wackeln geprägte Ästhetik suggeriert nach Manier eines Werbespots Authentizität und Lebensnähe, während der leider niemals zur Ruhe kommende Soundtrack das Geschehen unerlässlich emotionalisiert. Das ist anstrengend und in seiner manipulativen Machart allzu leicht durchschaubar.

Auch die Chance, abstraktere Themen als die Einzelschicksale der Protagonisten zu beleuchten, nutzt Weihermüller nicht. Spannende Aspekte, wie die medizinische Formung des Körpers sowie die Frage nach Nationalstolz und der Vorbildfunktion von Sportlern, kommen zwar immer wieder auf, aber werden ebenso schnell wieder verworfen. So bleibt "Die Norm" ein recht banales Stück Kino, das lediglich absolute Sportenthusiasten mitreißen dürfte.

Fazit: Guido Weihermüllers Dokumentarfilm porträtiert auf oberflächliche Weise deutsche Leistungssportler und setzt dabei auf allzu manipulative Mittel. An einen Werbespot erinnernde Bilder sowie ein unerlässlich emotionalisierender Soundtrack erweisen sich nicht als der richtige Weg, um dem Publikum die Protagonisten von "Die Norm" näherzubringen. Es bleibt bei banalen Einsichten, die lediglich absolute Sportfans ansprechen dürften.




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