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Kritik: Zero Days (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die auf der Berlinale 2016 im Wettbewerb gezeigte neue Dokumentation von Alex Gibney (Oscar für "Taxi zur Hölle") behandelt den bisher eloboriertesten Computervirus der Geschichte, der in der Öffentlichkeit unter dem Begriff "Stuxnet" bekannt wurde, während das dazugehörige streng geheime Entwicklungsprogramm den Decknamen "Olympic Games" trägt. Bereits diese Namensgebung wirkt zutiefst zynisch. Denn bei diesen "Olympischen Spielen" handelt es sich um Programme, welche In Sekundbruchteil die Infrastruktur ganzer Staaten lahmlegen können, ohne dabei die geringsten Spuren zu den Verantwortlichen zu hinterlassen. Die Inkubationszeit von der Infizierung durch den Computervirus bis hin zu dessen Aktivierung im System beträgt keinen Tag ("Zero Days").

Wenn man nicht bereits zuvor durch die unglaublichen Enthüllungen von Edward Snowden über das aqbsolut rücksichtslose und gewissenlose Vorgehen US-amerikanischer Geheimdienste im Internet vorgewarnt wäre, dann würden die in "Zero Days" gemachten Enthüllungen wie reine Science-Fiction wirken. Aber die scheinbare Vertrautheit mit dunklen Machenschaften im Cyberspace darf auch nicht den Blick dafür verstellen, dass die Geburt des Stuxnet-Virus eine völlig neue Dimension der virtuellen Kriegsführung darstellt. Denn obwohl sich bis heute kein einziger Insider findet, der sich traut vor laufender Kamera in irgend einer Form konkrete Aussagen zu diesem Programm zu machen, ist durch die inzwischen durchgesickerten Informationen unzweifelbar, dass die durch Stuxnet geführten Angriffe den ersten realen Cyberwar der Geschichte darstellen.

Es ist davon auszugehen, dass die Enthüllungen um Stuxnet ebenfalls Michael Manns Thriller "Blackhat" (2015) inspiriert haben. Aber die Wirklichkeit, die Alex Gibney in "Zero Days" präsentiert, ist wesentlich fortgeschrittener, spannender und bestürzender, als der in bloßes Herumgeballere mündende Film von Mann. Dies gilt auch für die Visualisierung der an und für sich denkbar trockenen Zahlenwelt der viralen Quellcodes, welche wie eine Weiterentwicklung der Zahlenkolonnen aus "Matrix" (1999) wirken. Dabei sind die Visualisierungen in "Zero Days" keine lediglich der optischen Auflockerung dienenden hippen Elemente, sondern zumeist von einem hohen Informationswert, welcher das tatsächliche Verständnis fördert. Was dabei ans Licht kommt ist extrem alarmierend.

Fazit: Die Computerviren-Dokumentation "Zero Days" beweist, dass nichts so spannend, wie die Wirklichkeit ist. - Allerdings ist auch nichts so bestürzend ...





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