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Im Strahl der Sonne (2016)

V luchakh solnca

Unter dem Druck und der Willkür der Behörden und Politik entstandener Doku-Film über eine in Nordkorea lebende Familie, der das politische und gesellschaftliche System des Landes überdeutlich und mehr denn je als verkrustet, verbrecherisch und diktatorisch entlarvt.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Nordkorea gilt als das abgeschottetste Land der Erde und als eines der Länder auf der Welt, in dem die internationalen Menschenrechte am wenigsten geachtet werden und Geltung besitzen. Die Medien unterliegen vollständiger Kontrolle, jede 20. Person des Landes gehört statistisch dem Militär an und der Staat bzw. die Arbeiterpartei legt auch fest, wo sich die Menschen im Land überhaupt aufhalten dürfen. Dennoch wagte es der russische Regisseur Vitaliy Manskiy unter einem Vorwand, eine Dokumentation in diesem Land zu drehen. Und er schaffte es tatsächlich, nach monatelangen Verhandlungen, eine Drehgenehmigung für eine Doku zu erhalten. Mit viel Glück und Mut gelang es ihm, einen aufwühlenden Film über das unterdrückende, politische Verbrechersystem des Landes zu drehen.

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Zugang ins Land erhielt Regisseur Manskiy nur, da er offiziell einen Film über eine nordkoreanische Musterfamilie drehte. Dies tat er auch, aber stets mit dem geheimen Vorhaben, die wahren Lebensbedingungen sowie die diktatorischen Machtspiele der Militärs dort zu dokumentieren und diese Aufnahmen später irgendwie außer Landes zu schmuggeln. Zunächst begleiteten Manskiy und sein kleines Team die achtjährige Zin-Mi und ihre Eltern über einen Zeitraum von knapp einem Jahr. Während des Drehs wurden dem Regisseur stets Aufpasser und politische "Babysitter" zur Seite gestellt und das Drehbuch musste vorher natürlich eingereicht werden. Die Partei entschied, was an welchem Ort wie gedreht wurde und stellte die zu interviewenden Personen selbst zusammen.

Eine offensichtliche, vom Staat perfekt geformte nordkoreanische Musterfamilie steht im Zentrum des Films: die achtjährige Tochter geht auf die größte und modernste Schule der Hauptstadt, der Vater arbeitet als angesehener technischer Leiter in einer Fabrik und die Mutter in einem erfolgreichen Sojamilch-Unternehmen. Der Film zeigt auch immer wieder Szenen, die deutlich machen (sollen), wie glücklich und zufrieden die Menschen doch im "besten Land der Welt" sind. Massenevents wie Parteiveranstaltungen, Jahrestage oder die Aufnahme der Kinder in den Stand der "Jungpioniere" sollen den Eindruck einer perfekt harmonierenden, zufriedenen Bevölkerung vermitteln. In einer anderen Szene sieht man die Familie, wie sie glückselig an einem Tisch sitzt - dieser natürlich reichhaltig gedeckt - und die Tochter schon ganz genau weiß, wie wichtig es für die Gesundheit ist, täglich das nordkoreanische Nationalgericht zu sich zu nehmen.

Doch der Film entlarvt diese Sequenzen als Lügen und gestellte, bis ins Detail inszenierte Momentaufnahmen. Dies zu beweisen gelang Manskiy mit einem Trick: Die Kamera läuft auch zwischen den Takes, in den Drehpausen, und zeigt den hohen Grad der Inszenierung, etwa, wie der Familie durch einen Offiziellen genau eingetrichtert wird, was sie zu sagen und wie sie sich vor der Kamera zu verhalten habe. Vieles von dem Leid in dem Land, etwa die leeren Supermarktregale, die schlechte Gas- und Stromversorgung auch von Schulen im Winter sowie die ungerechte Verteilung von Essen und Hilfsgütern, bei der das Militär stets bevorzugt wird, kann die Kamera nicht einfangen. Zu stark ist die Kontrolle der Bewacher und "Aufpasser". Das, was nicht im Bild zu sehen ist, kommentiert eine Voice-Over-Stimme aus dem Off. Dennoch gelangen Manskiy einige unfassbare Bilder, die das System als Lügner bloßstellt und der Lächerlichkeit Preis gibt. Was ihm zudem gelang und vermutlich die größte aller Leistungen ist: er schaffte es, das heimlich gefilmte Material außer Landes zu bringen und so der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Fazit: Bemerkenswerte und unter unglaublichen Risiken entstandene Doku über eine nordkoreanische Musterfamilie, die das politische System des abgeschotteten Landes als eines der übelsten und diktatorischsten der Welt entlarvt – und dies für alle Zeiten auf Zelluloid bannt.




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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Nordkorea, Deutschland, Russland, Tschechien, Lettland
Jahr: 2016
Genre: Dokumentation
Länge: 90 Minuten
Kinostart: 10.03.2016
Regie: Vitaliy Manskiy
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH

ZusatzinformationAlles anzeigen

Der russisch-ukrainische Regisseur Vitaly Mansky hat Zin-mi ein Jahr lang begleitet. Er erhielt dafür zwar eine offizielle Drehgenehmigung, doch die nordkoreanischen Behörden suchten Drehorte und [...mehr] Interviewpartner aus, postierten Aufpasser am Set und dirigierten ganze Szenen. Der Staat wollte Propaganda: ein vorbildhaftes Kind in einem mustergültigen Umfeld. Aber Mansky ließ die Kamera auch während der sorgsamen Einrichtung der Einstellungen laufen und erklärt sein Material durch einen Kommentar. So dokumentiert er in Wirklichkeit eine erbarmungslose Inszenierung. Tatsächlich ist in Nordkorea nichts so, wie es scheinen soll!
Heimliche Aufnahmen vom öffentlichen Leben gewähren weitere faszi­nierende Einblicke in ein mit Angst und Schrecken besetztes Land. Hier findet Mansky auch das, wonach er eigentlich gesucht hat: das Menschliche hinter den offiziellen Masken.

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