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FBW-Bewertung: Trautmann (2017)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Die FBW-Jury hat dem Film das Prädikat besonders wertvoll verliehen.

Das Vorhaben, einen Filmüber Bert Trautmann zu realisieren, birgt gleich mehrere potenzielle Stolperfallen. Nicht nur ist es ein Historienfilm, der aus einer sehr gut dokumentierten Zeit erzählt, sondern auch ein Film, der zwangsläufig Fußballszenen in einem legendären und riesigen Stadion bieten muss ? eine filmische Aufgabe, die bisher noch nicht allzu oft zufriedenstellend gelungen ist. Allen voran aber steht die ausgewogene moralische Darstellung einer Figur, an der stellvertretend für die deutschen Täter und in aller Öffentlichkeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in England die Schuldfrage diskutiert wurde. Nach Meinung der Jury kann der Film in allen drei Punkten voll überzeugen. Insbesondere erliegt der Film nicht eindimensional der heldischen Aura, die Bert Trautmann mit all seinen Legenden umgibt, sondern die Macher finden einen filmisch klugen Weg, die Figur ambivalenter anzulegen. Der Umgang mit persönlicher Schuld, die beispielhaft an einem Vorfall im Krieg erzählt wird, bildet einen Teil der filmischen Persönlichkeit Trautmanns, der als Wehrmachtssoldat verschiedene Tapferkeitsauszeichnungen erhalten hat. Gerade im Verbund mit den Attributen Integration und Versöhnung, mit denen sich Trautmanns Name in erster Linie verbindet, ergibt sich im Film ein spannendes und zeitgemäßes Profil der Hauptfigur.
Kostüme und Ausstattung funktionieren prächtig und leisten gerade auch in der ersten Hälfte einen starken Beitrag zur Etablierung der authentischen Atmosphäre englischer Provinzörtchen. Die neu inszenierten Fußballszenen vor dem Hintergrund computergenerierter übervoller Stadiontribünen überzeugen sowohl technisch als auch sportlich und werden in der Montage geschickt mit dokumentarischem Material verknüpft. Der liebevoll und intensiv erzählte Film überhitzt auch in emotionalen und konfrontativen Szenen nicht, sondern kann Stimmungswechsel ebenso angemessen in die Atmosphäre integrieren wie die zahlreichen komischen Momente; dazu kommen differenziert gestaltete Nebenfiguren und eine herausragende Instrumentierung und Einsatz der Musik. Alles in allem also ist Marcus H. Rosenmüller sowohl auf inhaltlicher als auch auf gestalterischer Ebene ein durchweg überzeugender Film gelungen.





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