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Kritik: Tigermilch (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der gleichnamige Roman, auf dem der Film basiert, erschien 2013 und entwickelte sich schnell zu einem großen Erfolg. Autorin Stefanie de Velasco traf mit ihrer Coming-of-Age-Geschichte zweier intelligenter, pubertierender Mädchen inmitten des Berliner Großstadtdschungels, einen Nerv. Heute, vier Jahre nach Erscheinen des Buches und in einer Zeit ständiger Flüchtlingsströme sowie allgegenwärtiger Abschiebeangst unter Migranten, scheint "Tigermilch" aktueller denn je. Inszeniert wurde "Tigermilch" von Filmemacherin Ute Wieland, die ihre größten Erfolge mit der Jugendfilm-Reihe "Freche Mädchen" feiern konnte.

Die Mischung aus Teenie-Komödie, Coming-of-Studie und Migrations-Drama ist in erster Linie deshalb so schlüssig und durchweg sehenswert geraten, da die beiden jungen Hauptdarstellerinnen für glaubhafte Authentizität und eine ungekünstelte Lebensfreude stehen. Eine – vielleicht etwas naive, aber eben auch typisch pubertäre – Lebensfreude, die ansteckt und sich auf den Zuschauer überträgt. Flora Li Thiemann und Emily Kusche waren während des Drehs tatsächlich 14 Jahre und damit genau so alt wie ihre Roman-Rollen.

Und so erleben wir mit den beiden äußerst gewieften, liebenswürdigen Mädels quasi in Kurzform auch nochmals ein "Best of" der emotionalen Achterbahnfahrt während der Pubertät – der vermutlich verwirrendsten, (nicht nur rein körperlich) chaotischsten Zeit überhaupt. Mit allem was dazugehört: Von den ersten Partys über das Ausloten von Grenzen (das Ausnehmen eines Freiers in der berüchtigten Kurfürstenstraße gehört zu den besten Szenen) bis hin zum Philosophieren über Themen wie Defloration und Jungs. Aber auch über ernste Inhalte wie Zukunft, Heimat und Integration wird diskutiert. Apropos Integration: diese ist bei Jameelah in jedem Fall gelungen, wovon nicht nur ihre außergewöhnlichen (Deutsch-) Noten zeugen.

Die beiden besten Freundinnen begegnen all diesen Themen, Ereignisse und emotionalen Wirrungen mit reichlich arglosem Wortwitz und leichtfüßigem Humor. Allein die vielen philosophisch angehauchten Phrasen und Lebensweisheiten von Nini zeugen von entwaffnender Weitsicht, Lebenserfahrung und Weisheit. Und das mit 14 Jahren – der ein oder andere Erwachsene könnte sich davon eine Scheibe abschneiden. Doch in "Tigermilch" bleibt es nicht die ganze Zeit über so sorgenfrei, ausgelassen und heiter. Spätestens nach dem brutalen Mord an einer Freundin, werden aus den beiden pubertierenden Mädchen ganz schnell und ohne Umwege erwachsene Frauen, die sich erheblichen Problemen ausgesetzt sehen.

Die Polizei einzuschalten wäre das Naheliegendste - doch das will Jameelah auf jeden Fall vermeiden. Ihre Angst vor einer Ausreise aus Deutschland ist zu groß. Eine Abschiebung aus dem Land, in das sie so vorbildhaft integriert ist, wäre der Super-Gau. Nicht zuletzt deshalb, da damit wohl das Ende einer ganz außergewöhnlichen, starken Mädchen-Freundschaft besiegelt wäre.

Fazit: Die Verfilmung des erfolgreichen Jugendromans "Tigermilch" besticht durch den ausgewogenen Mix aus locker-leichtem Witz und tragischen sowie nachdenklich-melancholischen Tönen. Jugendliche Energie und das konfuse Gefühlsleben zweier altkluger, aber pfiffiger Teenager treffen auf unvorhergesehene, tragische Schicksale. Die Mischung stimmt.





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