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Kritik: Looping (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Leonie Krippendorffs Langfilmdebüt "Looping" beginnt als coming-of-age-Geschichte – und entfaltet vom ersten Moment an einen besonderen Reiz. Das liegt zum einen an der wunderbaren Jella Haase, die hier an ihre besten Performances in "Lollipop Monster", "Kriegerin" und "4 Könige" anknüpfen kann und eine anrührende, sehr kluge Interpretation adoleszenter Einsamkeit liefert. Zum anderen sind es die Bilder, die Krippendorff und ihre Kamerafrau Jieun Yi finden, um die Sehnsucht, den Schmerz, das Suchen und Taumeln der jungen Protagonistin Leila zu erfassen. Den Frauen gelingt eine perfekte Balance zwischen Realismus und Märchen, zwischen Härte und Schönheit. Leilas backstory wird ohne erklärende Mono- oder Dialoge, sondern auf rein visueller Ebene in kurzen Erinnerungsfetzen eindrücklich vermittelt.

Diese Stärken im Schauspiel und der Bildgestaltung zeigen sich auch im weiteren Verlauf des Werks. Nachdem Leila in einer psychiatrischen Klinik am Meer gelandet ist, widmet sich "Looping" nicht dem Therapiealltag; ins Zentrum rückt vielmehr die Entstehung eines queeren Liebestrios. Leilas Zimmergenossin Ann bleibt zunächst ein Enigma; Marie-Lou Sellem ("Winterschläfer") demonstriert in ihrer Verkörperung der Rolle abermals, dass sie eine Meisterin des Subtilen ist. Erst gegen Ende entbergen sich die Hintergründe der Figur in einer brillant gedrehten und gespielten Passage. Die Dritte im Bunde, Frenja, wird bereits in einer Rückblende im Mittelteil näher beleuchtet. Lana Cooper, die in "Love Steaks" als Inkarnation des jugendlichen Ungestüms zu überwältigen wusste, gibt hier nicht minder großartig eine Mutter, Ehegattin und Schwester, die ihre eigenen Bedürfnisse immer wieder zurückstellt, bis sie sich damit beinahe selbst zerstört. Ohne in melodramatische Klischees zu verfallen, wird in wenigen Szenen ein glaubhafter Kleinfamilienkosmos entworfen.

Die Chemie zwischen Haase, Cooper und Sellem stimmt. Wenn die drei Frauen unterschiedlichen Alters gemeinsam einen Joint rauchen, Stunden am Strand verbringen, zu "Sunny" von Leonhard Karl Pogodda und Wynton Kelly Stevenson tanzen und sich dabei alle drei ineinander verlieben, sind das aufrichtige, zärtliche Augenblicke eines äußerst gelungenen Films.

Fazit: Eine einfühlsame Studie über Einsamkeit und Liebe, exzellent bebildert und mit einem hervorragenden Schauspielerinnentrio besetzt.




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