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FBW-Bewertung: National Bird (2016)

Prädikat besonders wertvoll

Jurybegründung: Die FBW-Jury hat dem Film das Prädikat besonders wertvoll verliehen.

Heather kämpft mit Gespenstern, die ihr Unterbewusstsein fast jeden Tag aufs Neue entstehen lässt, Daniel hat Angst davor, jede Minute wegen Landesverrats eingesperrt zu werden und Lisa fühlt sich so schuldig, dass sie bis nach Afghanistan reist, um Vergebung zu finden. Alle Drei haben gemein, dass sie für das amerikanische Drohnenprogramm gearbeitet haben.

Sonia Kennebecks Dokumentationüber die kleinen, ferngesteuerten Flugkörper, die derzeit als sauberste Art der Kriegsführung gepriesen werden, ist, nach Ansicht der Jury, genauso aufklärend wie spannend. Kenneback hat drei Insider des amerikanischen Drohnenkriegs ausfindig gemacht, die bereit waren, über ihre Arbeit zu erzählen. Dabei hat die Regisseurin Aussagen festhalten können, die zeigen, dass die amerikanischen Behörden das Drohnenprogramm gerne als Verschlusssache einstufen würden ? aus gutem Grund.

Die Jury zeigte sich beeindruckt von Kennebecks Recherche. Drei Jahre lang hat sie an ihrer Dokumentation gearbeitet, hat mit Informanten, Opfern und Anwälten gesprochen, Angehörige, Selbsthilfegruppen und hochrangige Offiziere befragt und dabei Antworten erhalten, die alle Aussagen zur modernen Kriegsführung fragwürdig erscheinen lassen.

Dass Erdrückende ? und das arbeitet NATIONAL BIRD sehr gut heraus ? ist die Allmacht des modernen Überwachungsstaates. Einerseits operieren die USA mit Waffen, deren Gefährlichkeit nicht abzuschätzen ist, und andererseits nutzen sie ihre Macht, um Kritiker verstummen zu lassen. Auf diese Weise wird auch jede kritische Dokumentation über Drohnen zum Grenzgang.

Die Jury zeigte sich erfreutüber die moderne Dokumentationsform, die auch mit den dramaturgischen Mitteln des Spielfilms arbeitet, ohne erkennbar zu verfälschen. Es liegt in der Natur dieses David-gegen-Goliath-Themas, dass Sonia Kennebeck nicht ausrecherchieren kann, ohne ihre Informanten in Gefahr zu bringen. Die Regisseurin hat aus der Not eine Tugend gemacht. NATIONAL BIRD regt zum Nachdenken und Weiterrecherchieren an. Mit unauffälligem Score, gut gewählten Schnittmaterial und erstklassigen Interviewpartnern wirkt Kennebecks Film bisweilen wie ein Spielfilm ? verstößt allerdings nie gegen das Gebot der Sachlichkeit.

Die Professionalität der jungen Filmemacherin, ihre intensive Recherche, ihre Kreativität, ihr inszenatorisches und dramaturgisches Geschick haben die Jury überzeugt, dass sie dem Dokumentarfilm NATIONAL BIRD nach ausgiebiger Diskussion das Prädikat besonders wertvoll verliehen hat.




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