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Kritik: Mannheim - Neurosen zwischen Rhein und Neckar (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Mannheim – Der Film" ist eine Liebeserklärung an die 300.000 Einwohner zählende Quadratestadt im Dreiländereck. Der fast ausschließlich mit Mannheimern oder in Mannheim lebenden Schauspielern besetzte Film, wurde von Thomas Oberlies inszeniert, der bisher in durch seine Kurzfilme (z.B. "Arbeit für alle") für Aufmerksamkeit sorgte. Darüber hinaus setzt er sich mit dem von ihm mitorganisierten Kurzfilmfestival "Zum Goldenen Hirsch" für die Filmemacher der Region ein. Oberlies selbst wurde in der rheinland-pfälzischen Schwesterstadt Ludwigshafen am Rhein geboren.

Die durch das stadtprägende Barockschloss bekannte Rhein-Neckar-Stadt steht ganz im Zentrum der Komödie. Diese "örtliche Färbung" sowie der Zuschnitt von Inhalt und Personen auf den Handlungsort, machen dann auch einen Großteil des Reizes aus: der Film bringt einem auf angenehme, unaufdringliche Art die Lebensrealität und -mentalität von Land und Leuten näher. Darüber hinaus rückt er in langen Einstellungen und prachtvollen Panorama-Bildern die wichtigsten, prägenden Orte und Sehenswürdigkeiten immer wieder ins Blickfeld. Nichts zuletzt wird dem Zuschauer oftmals skurriles Wissen über die Universitätsstadt präsentiert, die Regisseur Oberlies stets mit einem Augenzwinkern serviert. Die Informationen, dass das prunkvolle Schloss mehr Fenster besitzt als jenes in Versailles oder dass Mannheim flacher ist als Manhattan, dürften bisher nicht einmal allen Mannheimern bekannt gewesen sein.

Auch der bekannte "mannemerische" Dialekt bringt viel Lokalkolorit mit in den Film. Für diesen Umstand sorgt vor allem der mürrische, eigenbrötlerische Peter, wahrhaftig und mit viel Spielfreude verkörpert von Rainer Lott ("Zwerg Nase"). Sein Charakter im Film erscheint lebensecht und ungekünstelt, was eine Identifikation für den Zuschauer leicht macht. Die übrigen Darsteller bzw. deren Film-Protagonisten stehen dem in nichts nach, allen voran Selale Gonca Cerit als weltoffene, lebhafte Sängerin Aylin, die die gestandenen Männer mit ihrem entwaffnenden, leicht kindlichen Charme um den Verstand bringt. Die Komödie lebt von diesen liebenswerten, sympathischen Figuren und vom Einblick in deren – von alltäglichen Sorgen und Nöten geprägten – Alltag. Die Suche nach dem privaten Glück treibt dabei vor allem den hoffnungslosen Romantiker Enzo um, der immer noch auf die große Liebe wartet.

Nicht zuletzt kommen auch Musik- und Kultur-Freunde bei dem Film auf ihre Kosten: (Pop-) Musik sowie die bunte Musikszene der Stadt sind jenes bestimmende Thema des Films, für das Mannheim seit langem schon deutschlandweit bekannt ist – und das nicht erst, seit es dort die Popakademie gibt. Angefangen vom rasanten, zu keiner Zeit zu aufdringlichen und von E-Gitarrenklängen bestimmten Soundtrack über einige der Handlungsorte (Konzerte, Proberäume etc.) bis hin zu den Hauptfiguren, in deren aller Leben Musik eine zentrale Rolle spielt.

Fazit: "Mannheim – Der Film" ist nicht nur das liebenswerte Porträt einer Stadt und ihrer Einwohner sondern auch eine mit viel Lokalkolorit und hohem Musikanteil garnierte, leichtfüßige Komödie, die sich selbst – und ihre Figuren – stets mit einem Augenzwinkern betrachtet.





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