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Mit Siebzehn
Mit Siebzehn
© Kool Filmdistribution © Die FILMAgentinnen

Kritik: Mit Siebzehn (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Mit siebzehn" ist ein Jugend- und Familiendrama von dem 1943 geborenen, französischen Filmemacher André Téchiné, der bereits mit "Wilde Herzen" (1994) eine der schönsten kinematografischen Coming-of-Age-Geschichten erzählte und zum Beispiel mit "Diebe der Nacht" (1996) oder "Wir waren Zeugen" (2007) etliche weitere großartige Leinwand-Werke schuf. Im Zentrum seiner neuen Arbeit steht zum einen die ambivalente Beziehung zwischen zwei adoleszenten Männern, irgendwo zwischen heftiger Abstoßung und starker Anziehung, und zum anderen das Leben einer wohlsituierten Familie, insbesondere das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn. Das Drehbuch, das die Handlung in drei Abschnitte (jeweils ein Drittel eines Schulunterrichtsjahres) einteilt, verfasste Téchiné gemeinsam mit Céline Sciamma, die unter anderem mit "Tomboy" (2011) und "Girlhood" (2014) ebenfalls schon viel Sensibilität in der filmischen Schilderung des Erwachsenwerdens demonstrierte.

Die Hassliebe zwischen den 17-jährigen Protagonisten wird in zahlreichen Passagen äußerst treffend eingefangen – wenn die beiden Außenseiter etwa in der Schule aneinandergeraten, wenn sie sich gegenseitig in Augenschein nehmen oder wenn sie ihre Aggression in heimlichen Zweierkämpfen ausagieren und damit ihr Begehren füreinander (vorerst) in etwas Handfestes überführen, da ihnen die Gesten sowie das Vokabular für ihre zärtlichen Empfindungen noch fehlen. Das Schillernde dieser queeren Teenagererfahrung wird auch gestalterisch durch diverse Kontraste klug zum Ausdruck gebracht, etwa zwischen den Lebenswelten von Damien im Kleinstadthaus und Thomas auf einem Bauernhof in den Bergen. Téchiné und sein Kameramann Julien Hirsch lassen im Laufe des Geschehens berückend schöne (Landschafts-)Aufnahmen auf Momente der Rohheit treffen, während inhaltlich oft abrupt auf das Glück das Unglück folgt. Die Musik von Alexis Rault sowie die Art und Weise, wie sie in "Mit siebzehn" zum Einsatz kommt, vermitteln zudem ein wunderbares Gefühl davon, jung zu sein – mal im Zorn, mal im emotionalen Höhenflug und mal in einem seltsamen Dazwischen.

Kacey Mottet Klein, der bereits in seiner ersten Hauptrolle in "Winterdieb" (2012) zu überzeugen vermochte, spielt Damien als leicht verzogenen, zunehmend furchtlosen Jugendlichen; sein Gegenüber Corentin Fila, der hier sein eindrückliches Kino-Debüt gibt, ist als ehrgeiziger, härterer Thomas nicht minder überzeugend. Hinzu kommt die wie üblich superbe Sandrine Kiberlain ("Violette") als strenge und doch gütige und moderne Mutter. Der Witz und die Tragik der Figur werden in ihrer intensiven Interpretation hervorragend begreiflich gemacht.

Fazit: Eine Coming-of-Age-Story über paradoxe Gefühle zwischen Wut und Liebe. Die audiovisuelle Umsetzung ist exzellent, das Schauspiel begnadet.




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