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Hannas schlafende Hunde
Hannas schlafende Hunde
© Tobis Film © Alpenrepublik GmbH Filmverleih

Kritik: Hannas schlafende Hunde (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Elisabeth Escher widmet sich der Regisseur und Drehbuchautor Andreas Gruber nach "Hasenjagd" (1994) erneut einem düsteren Kapitel seiner österreichischen Heimat. "Hannas schlafende Hunde" erzählt dabei wie auch schon Lars Kraumes "Der Staat gegen Fritz Bauer" (2015) oder Giulio Riccarellis "Im Labyrinth des Schweigens" (2014) von einer Nachkriegszeit, die alles andere als frei von der Nazi-Ideologie ist und nach wie vor von Antisemitismus und Fremdenhass bestimmt wird. Im Gegensatz zu den beiden genannten Fritz-Bauer-Biografien lenkt Gruber den Blick allerdings nicht auf eine bekannte historische Persönlichkeit und deren ehrenwerten politischen Widerstand, sondern berichtet einfühlsam von der schwierigen Identitätsfindung eines jüdischen Kindes.

Durch diesen persönlichen und intimen Rahmen entzieht sich "Hannas schlafende Hunde" von vorneherein dem staatstragenden Gebärden, dem so mancher Historienfilm erliegt. Überhaupt ist es bemerkenswert, mit welcher Zurückhaltung Gruber seine Geschichte entwickelt und dass er deren Kraft nicht durch inszenatorische Mätzchen doppelt. Stattdessen schafft Grubers Regie gemeinsam mit dem detailgetreuen Set- und Kostümdesign einen Raum, der es vor allem den Schauspielern erlaubt, zu glänzen. Im Mittelpunkt steht hierbei die junge Hauptdarstellerin Nike Seitz, die trotz ihrer jungen Jahren überzeugend die Titelheldin verkörpert und dabei zu keinem Zeitpunkt vorgeführt wird. Nicht nur von ihren Schauspielkollegen wird Seitz ernst genommen, auch das Drehbuch vermeidet ärgerliche Klischees bei der Darstellung der jungen Heldin.

An anderen Stellen hingegen sind Grubers Entscheidungen als Drehbuchautor durchaus streitbar. In der geballten Schilderung von Konflikten und menschlichen Abgründen ist nämlich bisweilen fraglich, ob das Geschehen hier auf gelungene Weise pointiert oder nicht doch allzu plakativ aufbereitet wird. Einen ähnlichen Zwiespalt im Publikum dürfte wohl Hannelore Elsners Auftritt als resolute Großmutter der Titelfigur hervorrufen: Denn während die anderen Darsteller eher zurückgenommen agieren, spielt Elsner wie gewohnt ein wenig selbstgefällig auf. Mit ihrer gestelzt wirkenden, klaren Sprechweise und kämpferischen Dialogzeilen wirkt die Schauspielerin wie ein Fremdkörper im Film. Man kann sich daran stören oder aber Elsner zugutehalten, dass sie mit ihrer eigenwilligen, aufbegehrenden Art dem Wesen ihrer Figur die perfekte Form gibt.

Fazit: Dem Regisseur und Drehbuchautor Andreas Gruber ist mit der Verfilmung von Elisabeth Eschers Roman "Hannas schlafende Hunde" ein ebenso einfühlsames wie zurückhaltendes Drama um die Selbstfindung eines jüdischen Mädchens gelungen. Vor allem die großartigen Schauspieler können in dieser Produktion glänzen, während Hannelore Elsners Darstellung und einige Drehbuchentscheidungen zumindest streitbar sind und das Publikum spalten könnten.




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