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Kritik: Whatever Happens (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

80 Werbespots, Musikvideos und Kurzfilme realisierte Regisseur Niels Laupert, der auch das Drehbuch zu "Whatever happens" schrieb, bisher. Der 1975 in Frankfurt am Main geborene Laupert studierte Medienwirtschaft sowie Film- und TV-Regie an der HFF München. Mit Fahri Yardim und Sylvia Hoecks besetzte er zwei prominente Darsteller in den Hauptrollen. Yardim gehört spätestens seit Kino-Hits wie "Keinohrhasen" (2008) oder "Männerherzen" (2009) zu den bekanntesten Gesichtern im deutschen Kino und TV. Die Niederländerin Hoecks zählt seit zehn Jahren zu den erfolgreichsten Schauspielerinnen ihrer Heimat. In diesem Jahr gelang ihr mit einem Auftritt in "Blade Runner 2049" der Sprung nach Hollywood. Weltpremiere feierte die romantische Tragikomödie auf dem diesjährigen Filmfest München.

Es ist der akkurate Blick auf das Alltägliche in einer Beziehung, der "Whatever happens" über den Durchschnitt vieler ähnlich gelagerter Romantik-Komödien hievt. Für das Sezieren all dieser Probleme, Sorgen und Nöte im zwischenmenschlichen Miteinander zeichnet Regisseur Laupert verantwortlich, der sich hier als genauer, aufmerksamer Beobachter erweist. Jeder, der schon einmal eine intensive, lange Liebesbeziehung führte und mit dem Partner eine Wohnung teilte, wird einen Großteil des Geschilderten kennen.

Die Rede ist von jenen Ereignisse und Szenen auf der Leinwand, die aus der anfänglichen Märchen-Romanze zwischen Hannah und Julian, irgendwann tristen Alltag werden ließen: Wenn Uneinigkeit bei der Zukunftsplanung herrscht. Wenn das ständige Aufeinanderhocken und die Zeit in der gemeinsamen Wohnung, die Schwächen und "Fehler" des Anderen rigoros und brutal offenbaren. Wenn die eigenen Bedürfnisse und Interessen – spätestens nach der Geburt des gemeinsamen Kindes – hinten angestellt werden müssen. Und man sich deshalb irgendwann nur noch auf die Nerven geht.

"Whatever happens" zeigt neben diesen wehmütigen, melancholischen Augenblicken des Schmerzes, Verlusts und des Zweifelns aber auch Szenen unbeschreiblichen Glücks: etwa die überschwängliche Verliebtheitsphase und das unbekümmerte Beziehungsglück der ersten Monate. Sylvia Hoeks und Fahri Yardim erwecken ihre Filmfiguren glaubwürdig zum Leben, man kann sich als Zuschauer mit ihnen identifizieren. Weniger geglückt sind an "Whatever happens" zwei Dinge: zum einen, dass nach der Geburt der Tochter die Rollenverteilung der Eltern fast schon zu gewollt und mit Gewalt gegen den Strich gebürstet, wirkt. Da ist dann Julian plötzlich der, der zu Hause bleibt und auf das Kind aufpasst, während die fleißige, strebsame Juristin Hannah das Geld verdient und in den Wolkenkratzern Frankfurts Karriere macht. Die "gängige" Konstellation wäre wohl realistischer und näher am Leben gewesen und es wirkt, als wollte sich Laupert mit dieser Entscheidung fast ein wenig mutwillig und vorsätzlich von anderen Filmen dieser Gattung abheben.

Das zweite Problem ist, dass der Rahmen der Ausgangssituation (vor aus der die Geschichte rückwärts erzählt wird), denkbar unglaubwürdig erscheint: denn wer macht ausgerechnet an Silvester, dem finalen Tag des Jahres, eine Wohnungsübergabe? Zumal für den Tag auch noch die Verputzer bestellt wurden. Und: die Tochter zufällig ist an dem Tag zufällig auch noch auf einem Kindergeburtstag – und damit gut behütet. Das ist leider alles zu konstruiert.

Rückwärts erzählte, authentisch gespielte Geschichte über das allmähliche Ende einer Beziehung und den Verlust der Liebe. Genau beobachtet mit allen Höhen und Tiefen, aber leider auch mit einigen zu konstruierten Situationen und gewollt wirkenden Handlungselementen.




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