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Miss Hokusai
Miss Hokusai
© AV Visionen © 24 Bilder

Kritik: Miss Hokusai (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Katsushika Hokusai zählt heute längst zu den einflussreichsten und bekanntesten japanischen Künstlern überhaupt, doch erst viele Jahre nach seinem Tod wurden seine Werke entsprechend gewürdigt. Viele europäische Maler des (Post-) Impressionismus, wie z.B. Monet oder Van Gogh, wurden von ihm beeinflusst. Hokusai prägte den noch heute gängigen Begriff "Manga" als Bezeichnung für japanische Comics. "Miss Hokusai" beruht auf dem historischen japanischen Manga "Sarusuberi" von Hinako Sugiura, inszeniert wurde das Werk von Keiichi Hara, einem der erfolgreichsten Anime-Regisseure des Landes. Zum ersten Mal befasst sich ein (Zeichentrick-) Film mit der weitgehend unbekannten Tochter des großen Meisters, von der man aber immerhin sicher weiß, dass sie gelegentlich unter dem Namen des Vaters malte und ebenso begabt war.

Regisseur Hara widmet sich hier voll und ganz der Tochter O-Ei und eben nicht dem großen Künstler Hokusai, über den nahezu alles bekannt ist und bereits so viel geschrieben und berichtet wurde. Er tritt vielmehr nur als Randfigur auf und zwar als nicht gerade sympathische: als trinkfreudiger, die familiären Pflichten vernachlässigender Perfektionist, der es sich selbst nicht recht machen kann und darüber hinaus kaum Wert auf alltägliche Hygiene legt. Im Zentrum des Films steht Tochter O-Ei, eine ebenso sanftmütige wie hochbegabte Künstlerin, die durchaus auch mal stur sein kann – und deshalb immer wieder mit ihrem Vater aneinander gerät. O-Ei erscheint als sich liebevoll um ihre blinde Schwester kümmernde, junge Frau, die weiß was sie will aber unter dem herrschsüchtigem Familienoberhaupt leidet.

Sie ist so etwas wie die moderne Frau von heute, die versucht, Familie und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Die Familie, das ist in diesem Fall ihre Schwester, die Arbeit, das sind die Bilder, die sie immer häufiger unter dem Namen des Vaters malt, da dieser mit den Aufträgen nicht mehr hinterherkommt. Hara gelingt es herausragend, damit den Bogen von der Moderne, der Neuzeit, in die Epoche der Tokugawa-Dynastie im Edo des 19. Jahrhunderts zu spannen. Die filmische Reise in diese für viele Zuschauer bis dahin unbekannte Zeit, in der das Handwerk sowie die Kunst blühten und die Stadt zudem unter keinem Krieg zu leiden hatte, ist spannend, informativ und hochinteressant. Das gesellschaftliche und kulturelle Leben in jener Epoche wird auf diese Weise vor Augen geführt. Eine Epoche auch, in der das Bürgertum an Reichtum und Macht gewann und immer mehr zur wohlhabenden Schicht aufstieg.

Der Film verschweigt nicht, dass Hokusai seinen Ruhm und seine Lorbeeren nicht zuletzt auch der Arbeit und Mithilfe seiner Tochter zu verdanken hat und dass er mit seinen Arbeiten (u.a. mit der berühmten Hokusai-"Welle vor Kanagawa", die auch im Film "auftritt") zwar die Kunst bereicherte, dies aber auf Kosten seiner Familie geschah.

Fazit: Eindringlicher Animationsfilm über eine weitgehend unbekannte Künstler-Tochter, der stilvoll und poetisch das kulturelle Leben und Treiben im Tokio des frühen 19. Jahrhunderts illustriert.




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