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Kritik: Loev (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit "Loev" liefert Sudhanshu Saria sein Langfilmdebüt als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent. Der im indischen Bundesstaat Westbengalen aufgewachsene Künstler studierte in New York; die Einflüsse des US-amerikanischen (Independent-)Kinos sind in der Dialoggestaltung, Schauspielführung und Inszenierung seines Werks deutlich zu spüren. Es geht um große Gefühle, die jedoch überwiegend nicht durch Pathetik und Melodramatik zum Ausdruck gebracht werden, sondern durch vermeintlich beiläufige, oft mit betonter Ironie formulierte Sätze sowie flüchtige Blicke und Gesten. Der Kameramann Sherri Kauk fasst das lebhafte Treiben in Mumbai sowie die pittoreske Gebirgslandschaft im Westen Indiens und den Aufenthalt in einem Luxushotel in berückende Bilder, fängt aber auch Momente der Irritation ein – etwa die ablehnende Miene eines älteren Mannes, der einen Augenblick der Zärtlichkeit zwischen zwei Hauptfiguren beobachtet.

Die Liebesgeschichten, die hier geschildert werden, finden zwischen Männern statt. Da sie in einem Land spielen und gedreht wurden, in welchem die nicht-heterosexuelle Liebe noch immer bestraft werden kann, ist "Loev" ein couragiertes Statement. Die tagline "love is a sin", die auf dem Filmplakat zu lesen ist, bringt die Tragik der Handlung auf den Punkt. Saria vermeidet es, die Gefühlslagen seiner drei Protagonisten mit Mitteln des Kitschs zu präsentieren; vielmehr werden Sahil, Alex und Jai als ambivalente Figuren gezeigt, die höchst unterschiedlich mit ihrer jeweiligen (emotionalen) Situation umgehen. Sahil und der allzu unbekümmerte Alex sind ein Paar in screwball-comedy-Tradition: Als Ersterer seinem Freund zu Beginn vorwirft, die Stromrechnung nicht bezahlt und überdies das Gas im gemeinsamen Apartment nicht abgestellt zu haben, versucht Alex, möglichst charmant zu kontern – legt in seiner Reaktion jedoch eine gewisse Unreife und ein mangelndes Verständnis für Sahils Sorgen an den Tag. Die komplizierte Beziehung zwischen Sahil und dessen Jugendfreund Jai gipfelt indes in einer Tat, die dem letzten Filmdrittel eine erhebliche Schwere verleiht. Der finale Schauplatz der Erzählung ist ein Flughafen – wie man es aus etlichen romantischen Komödien kennt. Aber auch an dieser Stelle wählt Saria nicht den einfachen Weg.

Der im Januar 2015 (kurz nach den Dreharbeiten) früh verstorbene Dhruv Ganesh verkörpert den musikalisch begabten Sahil mit beachtlicher Sensibilität; die Chemie mit seinen Co-Stars Siddharth Menon und Shiv Pandit stimmt.

Fazit: Ein bemerkenswert-mutiger, schöner, doch niemals kitschiger Liebesfilm mit tollem Hauptdarsteller-Trio.




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