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Those People
Those People
© Pro Fun Media

Kritik: Those People (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Titel von Joey Kuhns Langfilmdebüt ist klug gewählt. So kann sich "Those People" etwa auf den Eindruck beziehen, den wir als Publikum zunächst von den Hauptfiguren gewinnen: Charlie, Sebastian, Ursula, Wyatt und London sind "diese Leute", die man aus Hochglanzproduktionen wie "Gossip Girl" zur Genüge kennt – junge, attraktive, weiße Menschen, die ihre Luxusprobleme stets zu einem großen Drama hochstilisieren und sich dabei ihrer überprivilegierten Situation kaum bewusst zu sein scheinen. Mit dem Titel können jedoch auch "diese Leute" gemeint sein, für die wir jederzeit alles aufgeben würden, da wir uns so stark zu ihnen hingezogen, uns ihnen verbunden und verpflichtet fühlen: Personen, die wir lieben, obwohl sie uns gewiss nicht immer guttun. Ein solcher Mensch ist der feierwütige Sebastian für den Protagonisten Charlie. Der schüchterne Künstler verehrt seinen besten Freund seit Kindheitstagen – und muss lernen, sich von Sebastian zu lösen, um sein individuelles Glück zu finden.

Dieser nachvollziehbar geschilderte Kernkonflikt macht "Those People" zu mehr als einer Upper-East-Side-Soap. Es gelingt writer-director Joey Kuhn und seinem Ensemble, dass wir uns auf diese mondäne Clique einlassen und mehr und mehr Anteil an der inneren und äußeren Welt des Quintetts nehmen. Mit dem libanesischstämmigen Pianisten Tim kommt noch eine Figur hinzu, durch die eine spannungsreiche Dreieckskonstellation entsteht: Charlie verliebt sich in Tim, kann sich jedoch nicht von Sebastian lossagen. Jonathan Gordon verkörpert Charlie als naiven, aber äußerst sympathischen Mittzwanziger; neben den Freundschafts- und Liebesszenen, in denen die Vertrautheit der Beteiligten glaubhaft vermittelt wird und sich Romantik und Sinnlichkeit entfalten, zählen auch die Passagen mit Allison Mackie als Charlies Mutter zu den schönen Momenten des Films – etwa ein Lachanfall im gemeinsam besuchten jüdischen Gottesdient oder ein zärtliches Gespräch gegen Ende. Jason Ralph kann als Sebastian vor allem in einer Sequenz glänzen, in welcher sich der junge Mann nach Monaten dazu durchringt, seinen wegen Betrugs inhaftierten Vater (Daniel Gerroll) im Gefängnis zu besuchen. Die restlichen Gruppenmitglieder – insbesondere die von Britt Lower gespielte Ursula – hätten indes etwas mehr Raum verdient.

Visuell legt das Werk ein hohes Niveau an den Tag – der Kameramann Leonardo D'Antoni fasst den Big Apple in stilvolle Bilder; auch die dialoglastigen Stellen des Films sind einfallsreich umgesetzt.

Fazit: Queer Cinema mit Stil und guter Besetzung über die schmerzhafte Liebe zu Menschen, für die wir alles zu opfern bereit sind.





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