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Kaum öffne ich die Augen (2015)

À peine j'ouvre les yeux

Tunesisches Drama: Am Vorabend des Arabischen Frühlings kämpft eine junge Sängerin mit ihrer Musik gegen Unterdrückung und Bevormundung.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Tunis im Jahr 2010: Die 18-jährige Farah lebt unter widrigen Umständen, im Tunesien vor der Revolution gibt es kaum Möglichkeiten zur Selbstbestimmung. Die Regierung zensiert die Medien und will damit Korruption, Gewalt sowie die düsteren Zukunftsaussichten der Jugend vertuschen. Vor diesem Hintergrund erscheint der für viele Menschen nicht ungewöhnliche Alltag der jungen Frau als ein einziger Akt des Aufbegehrens. Denn Farah lackiert sich nicht bloß die Nägel bunt und hat einen festen Freund, mit dem sie außerehelichen Geschlechtsverkehr hat, sondern tritt zudem öffentlich als Sängerin einer Rockband auf. In ihren westliche und arabische Stile verbindenden Songs singt Farah von den Nöten ihrer Heimat sowie von ihren eigenen Sehnsüchten. Dass das in Tunis nicht ungefährlich ist, weiß auch Farahs Mutter Hayet nur zu gut und verbietet der Tochter schließlich das Musizieren. Als sich die Sängerin dem Verbot widersetzt, muss sich bald darauf auf schmerzvolle Weise erfahren, zu welchen Mitteln der Staat greift, um unliebsame Meinungen zu unterdrücken.

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As I Open My Eyes


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse5 / 5

Fünf Jahre nach der Arabischen Revolution erzählt die tunesische Filmemacherin Leyla Bouzid von den gesellschaftlichen Verhältnissen in ihrer Heimat zur damaligen Zeit sowie der Aufbruchstimmung, die sich 2010 entfaltete. Während ihre Story von einer jungen Frau, die sich selbstbewusst für ihre Rechte einsetzt, auf den ersten Blick etwas klischeehaft wirken mag, entpuppt sich "Kaum öffne ich die Augen" rasch als nuancierter und energiegeladener Film.

Neben der Regie zeigt sich die Kinodebütantin Bouzid auch für das Drehbuch verantwortlich und beweist hier großes Feingefühl: Fernab von Schwarzweißmalerei entwirft die Tunesierin nicht bloß glaubhafte, vielschichtige Figuren, sondern schafft zudem eine fesselnde Dramaturgie. Was als alltägliche Coming-of-Age Geschichte um die idealistische Heldin Farah beginnt, entwickelt sich nach und nach zu einem spannenden Gesellschaftsdrama, welches sich nur selten in Unstimmigkeiten verliert.

Der stimmungsvolle, mal melancholische, mal kämpferische Soundtrack von Khyam Allami sowie Sébastian Goepferts ("Blau ist eine warme Farbe", 2013) wunderbare Bilder sorgen für eine dichte Atmosphäre. Zusammen mit den starken Schauspielern entsteht so ein ebenso authentisch wie lebendig anmutender Filmkosmos, der um eine großartige Hauptdarstellerin kreist: Baya Medhaffer, die in "Kaum öffne ich die Augen" ihre erste große Rolle spielt, spielt die Protagonistin mit ansteckender Energie und Lebenslust. Vor allem ihrer Performance verdankt das ernste Drama seine Kraft sowie eine wohltuende Leichtigkeit.

Fazit: Leyla Bouzids starkes Regiedebüt erzählt auf ebenso authentische wie kraftvolle Weise von Engagement und gesellschaftlicher Aufbruchstimmung. Dabei überzeugt "Kaum öffne ich die Augen" nicht bloß durch sein nuanciertes Drehbuch, einen stimmigen Soundtrack sowie wunderbare Bilder, sondern besonders dank der mitreißenden Performance der Hauptdarstellerin Baya Medhaffer.




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Land: Belgien, Frankreich, Tunesien
Jahr: 2015
Genre: Drama, Musik
Länge: 102 Minuten
Kinostart: 06.10.2016
Regie: Leyla Bouzid
Darsteller: Baya Medhaffer als Farah, Ghalia Benali als Hayet, Montassar Ayari als Bohrène
Verleih: trigon-film

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