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All Eyez on Me
All Eyez on Me
© Constantin Film

Kritik: All Eyez on Me (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"All eyez on me" ist benannt nach dem gleichnamigen, erfolgreichsten Album des Rappers, das 1996 nur wenige Monate vor einem Tod veröffentlicht wurde. Der Regisseur des Films, Benny Boom, besetzte mit Demetrius Shipp Jr. einen noch unbekannten Darsteller in der Hauptrolle. "All eyez on me" ist das erste Biopic über den legendären Künstler, nachdem Anfang der 00er-Jahre bereits zwei Dokumentationen über ihn in die Kinos kamen: "Tupac: Resurrection" (2002) und "Biggie and Tupac" (2003). "All eyez on me" wurde von Dezember 2015 bis April 2016 vor allem in Atlanta (Georgia) und Las Vegas gedreht. 2Pac selbst versuchte sich auch immer wieder als Schauspieler. So wirkte er u.a. 1993 in dem Drama "Poetic Justice" (an der Seite von Janet Jackson) oder auch der Ghetto-Milieustudie "Juice" (1992) mit.

Geradlinig und stringent beschreibt "All eyez on me" das Leben 2Pacs, der bis heute 70 Millionen Platten verkauft hat. Regisseur Boom konzentriert sich in seinem chronologisch erzählten, 130-minütigen Film jedoch klar auf die letzten fünf Lebensjahre: vom Jahr seiner Debütplatte "2Pacalypse now" bis zu seinem Tod im Herbst 1996. Jene Jahre also, in denen 2Pac den Rap-Olymp bestieg – aber auch immer tiefer in den Streit zwischen Künstlern der Plattenfirmen Death Row (Westküste) und Bad Boy Records (Ostküste) gezogen wurde. Denn auch darauf geht "All eyez on me ein" sehr ausführlich und umfassend ein: den East-Coast-West-Coast-Konflikt, die bekannteste Fehde in der Geschichte des Hip-Hop, in deren Verlauf neben 2Pac auch der East-Coast-Rapper The Notorious B.I.G. ermordet wurde.

Die Jahre 1991 bis 1996 schildert Boom akribisch genau und ausführlich, ohne wichtige (berufliche wie private) Ereignisse auszulassen. Zudem treten alle relevanten Personen, die im Leben 2Pacs eine Rolle gespielt haben, im Film auf. Erstaunlich sind dabei die optischen Ähnlichkeiten, die die Schauspieler mit ihren Filmfiguren (von Snoop Dogg über Dr. Dre bis zu Sean "Puff Daddy" Combs) aufweisen. Die Folge dieser Konzentration auf die letzten Lebensjahre ist jedoch, dass 2Pacs‘ Jugend und musikalische Sozialisation leider zu wenig Aufmerksamkeit erfahren. Auch die Kindheit wird in wenigen Minuten abgehakt.

Hauptdarsteller Demetrius Shipp Jr., der dem echten 2Pac fast wie aus dem Gesicht geschnitten ist, zeigt eine kraftvolle, packende Performance. Und: er kommt dem Original in Sachen Gestik, Mimik und Diktion (der Film wurde im englischen Original gesehen) verblüffend nahe. Dies zeigt sich auch in jenen Szenen, die die Entstehung ikonografischer Musikvideos, Fotos und Covermotive, nachstellen. Viele davon sind weltberühmt, gingen in den Popkultur-Kanon ein und hängen noch heute als Poster in so mancher Studentenbude. Boom beweist weiterhin ein gutes Händchen bei der Auswahl der 2Pac-Songs (z.B. "California Love", "So many tears" oder "How do U want it"), die er an dramaturgisch sinnvollen, ausgewählten Stellen platziert.

Fazit: Das authentische, mitreißende Biopic "All eyez on me" beschreibt den Aufstieg des Rappers 2Pac zu einem der einflussreichsten Musiker seines Genres. Obwohl der Film 2Pacs Kindheit und Jugend mehr Beachtung hätte schenken müssen, ist er in jedem Fall sehenswert und nicht nur für Fans des Künstlers zu empfehlen. Dies liegt in erster Linie am famosen Cast und der dramaturgisch geschickten Platzierung der Filmmusik.




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