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Morris aus Amerika
Morris aus Amerika
© farbfilm verleih

Kritik: Morris aus Amerika (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit der deutsch-US-amerikanischen Co-Produktion "Morris aus Amerika" legt der auf Zypern geborene Drehbuchautor und Regisseur Chad Hartigan einen Mix aus coming-of-age- und fish-out-of-water-Erzählung vor, die trotz der Vielzahl von Geschichten dieser Art etwas Exzeptionelles hat: Wenn Hip-Hop-Klänge und unbedarfte Freestyle-Rap-Versuche auf die von Tourismus geprägte Idyllik der baden-württembergischen Stadt Heidelberg am Neckar treffen, ist das ein reizvoller Zusammenprall, dessen Potenziale Hartigan zu nutzen weiß. So lässt der Filmemacher seinen titelgebenden Protagonisten etwa an einer Stelle ganz in dessen musikalische Welt eintauchen – und das gesamte Umfeld im altehrwürdigen Heidelberger Schlossmuseum mit dynamischem Kopfnicken in den Beat einsteigen. Auch für das im Kino schon unzählige Male in Szene gesetzte Verliebtsein und das jugendlich-ausgelassene Feiern finden Hartigan und sein Kameramann Sean McElwee unverbrauchte, schöne Bilder.

Clever ist zudem das Spiel mit (Denk-)Klischees. So wundern sich die Gleichaltrigen im örtlichen Jugendzentrum, dass Morris als Schwarzer weder an Basketball noch am Tanzen großes Interesse zeigt. Unverhohlener Rassismus wird indes erkennbar, wenn der von Patrick Güldenberg verkörperte Leiter des Zentrums automatisch Morris verdächtigt, als Drogen gefunden werden. "Morris aus Amerika" ist in seinem Handlungsverlauf ganz und gar character-driven – und vermag mit liebevoll gezeichneten Figuren vollauf zu überzeugen. Insbesondere die Beziehung zwischen Morris und seinem verwitweten Vater ist eindrücklich. Craig Robinson ("The Office") bringt zum Ausdruck, dass Curtis sich nach Kräften bemüht, sowohl Vater als auch Kumpel zu sein – und dabei nicht selten an Grenzen stößt. Als er seinem Sohn in einer herrlichen Sequenz Hausarrest gibt, hebt er diesen alsbald wieder auf, weil er sich selbst langweilt und lieber mit Morris ein Eis essen gehen möchte.

Die Leinwandentdeckung Markees Christmas hat in der Hauptrolle nicht nur mit Robinson, sondern auch mit seinen anderen Co-Stars eine stimmige Chemie. Als studentische Deutschlehrerin Inka liefert sich Carla Juri ("Feuchtgebiete") mit ihrem adoleszenten Gegenüber witzige Wortduelle auf Deutsch und Englisch, während heiße Schokolade mit Marshmallow-Zugabe konsumiert wird. Und Lina Keller gibt als Katrin eine wunderbar rebellische love-interest-Figur, die man sich gut als Protagonistin eines eigenen Films vorstellen könnte. Wenn dies gelingt – dass auch Nebenparts mit Leben gefüllt werden und nicht nur als dramaturgische Funktionsträger_innen erscheinen – haben Skript, Regie und Schauspielteam unzweifelhaft alles richtig gemacht.

Fazit: Ein origineller Culture-Clash-Film mit sympathischen Figuren und einem rundum großartigen Ensemble.





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