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Meine Zeit mit Cézanne
Meine Zeit mit Cézanne
© Prokino

Kritik: Meine Zeit mit Cézanne (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Danièle Thompson beginnt "Meine Zeit mit Cézanne" mit einer stimmungsvollen Montage, die die Geschichte ihres Films mit all ihren Stärken und Schwächen bereits im Kern enthält. Zu Éric Neveux' verspielter Melodie fährt Jean-Marie Dreujous Kamera sanft über Bücherstapel und Manuskripte, bevor Cutterin Sylvie Landra zu einer provenzalischen Landschaft überblendet. Baumwipfel im Wind, ein gedeckter Tisch und ein Koffer voller Farbtuben kommen kurz ins Bild, dann geht es zurück und in den folgenden drei Minuten zwischen den beiden Orten hin und her. Der Blick ist verengt, zeigt nur Details, bevor Émile Zola (Guillaume Canet) seinen alten Freund Paul Cézanne (Guillaume Gallienne) bei sich zu Hause begrüßt und das Publikum eine erste Orientierung erhält. Es ist 1888, wir sind in Médan vor den Toren Paris'.

Heute gilt Paul Cézanne längst als ein Wegbereiter der Moderne, zu Lebzeiten musste der Maler bis zu seinem Tod um Anerkennung ringen. Thompson erzählt Cézannes Biografie durch die Augen seines besten Freundes Émile Zola und porträtiert den berühmten Romancier auf diese Weise gleich mit. Ausgangspunkt ist der Bruch der beiden Freunde. Während ihres Streitgesprächs in Zolas mondänem Haus taucht der Film mehrmals in die Vergangenheit. Rückblenden, die 1852 mit der ersten Begegnung in Aix-en-Provence beginnen, werfen episodische Schlaglichter auf einzelne Lebensabschnitte und die konträren Karriereverläufe, bevor der zehnminütige Epilog in gegebener Kürze die Zeit nach 1888 beleuchtet. Die Kunst ihrer Protagonisten interessiert Thompson dabei nur am Rande. Das schwierige Verhältnis der beiden Freunde steht im Mittelpunkt.

Thompsons große Stärke sind ihre stimmungsvollen Bilder mit Liebe zum Detail. Wenn sich der strahlend blaue Himmel der Provence vom satten Grün der Wiesen, Sträucher und Bäume und vom leuchtenden Rotbraun der Böden und Felsen abhebt, dann gleicht "Meine Zeit mit Cézanne" selbst einem Gemälde. Wie in der Eröffnungssequenz verliert die Regisseurin dabei aber manchmal den Überblick für das große Ganze und gewichtet einzelne Episoden falsch. Zu häufig kratzt sie nur an der wunderschön schimmernden Oberfläche, anstatt die tiefe Verbundenheit der beiden Männer vollständig auszuloten.

Die Gespräche dieses ungleichen Paares entwickeln sich auch über Jahrzehnte hinweg kaum fort. (Zolas Wortgewandtheit blitzt ganz nebenbei viel zu selten auf.) Und so wird die Essenz dieser Männerfreundschaft nie ganz klar. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ihre Jugendjahre deutlich zu kurz kommen. Auch hier müssen wenige Details für das Ganze herhalten. Doch eine Handvoll exemplarischer Erlebnisse reichen nicht aus, um den Grundstein für eine beinahe lebenslange Verbindung für das Publikum nachvollziehbar zu legen.

Fazit: "Meine Zeit mit Cézanne" ist ein wunderschön gefilmtes Biopic, in dem es weniger um das Werk als um die Freundschaft zweier Künstler geht. In den entscheidenden Momenten kratzt Regisseurin Danièle Thompson aber nur an der schimmernden Oberfläche, anstatt tief in das Leben ihrer Figuren einzutauchen.




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