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Winna - Weg der Seelen
Winna - Weg der Seelen
© mindjazz pictures

Kritik: Winna - Weg der Seelen (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Winna – Weg der Seelen" hätte ein spannender Dokumentarfilm über die Sagentradition, über deren Kraft, Funktion und Bezug zur Realität werden können. In der besten Szene des Films steht Andreas Weisser im schummrigen Kerzenschein eines Wirtshauses und unterhält sein Publikum und das im Kinosaal mit einer Schauergeschichte. Im Anschluss darf er zwei, drei Sätze über sein Metier verlieren, dann ist er auch schon wieder verschwunden. Für Weisser sind die Sagen über umherirrende Seelen vor allem Abendunterhaltung. Für alle anderen Protagonisten sind sie real.

"Winna – Weg der Seelen" hätte also auch ein spannender Dokumentarfilm über Trauerarbeit werden können; darüber, wie Menschen den Tod eines Nahestehenden verarbeiten, indem in ihnen der Glaube erwächst, den Verstorbenen in für sie unerklärlichen Ereignissen wiederzuerkennen. Doch auch das will Fabienne Mathier, die vor ihrem Wechsel zur Regie als Psychotherapeutin arbeitete, nicht. Statt die angeblichen Geistererscheinungen in einen Kontext zu stellen, Geistliche, (Para-)Psychologen oder schlicht Gegenstimmen zu Wort kommen zu lassen, bleiben die Aussagen unhinterfragt stehen.

Auf den ersten Blick mag diese Form zutiefst demokratisch erscheinen. Schließlich gestattet die Regisseurin ihrem Publikum, sich eine eigene Meinung zu bilden. Zu diesem heiklen Thema keine Stellung zu beziehen, ist aber auch der denkbar einfachste, ja feige Weg. Nicht jeder im Kinosaal hat dazu eine Meinung. Ohne Argumente der Gegenseite könnte sich mancher eine falsche bilden. Durch die Inszenierung der malerischen Winterlandschaft, die Mathier durch wolkenverhangene Zeitrafferaufnahmen in Untersicht ein ums andere Mal mystisch überhöht, verlässt "Winna – Weg der Seelen" zudem den Boden der vorgegebenen Neutralität.

Die andere große Schwäche dieses Dokumentarfilms ist die Qualität der Geschichten. Während Andreas Weisser seine Zuschauer auf und vor der Leinwand für sich einnimmt, ermüden die anderen Interviewpartner schnell. Ihre vermeintlichen Begegnungen mit den Toten ähneln sich nicht nur frappierend, sondern sind schlicht einfallslos. Mehr als unerklärliches Klopfen und von Geisterhand eingeschaltete Geräte fällt kaum einem ein. Dass das für 80 Minuten Laufzeit zu wenig ist, hat wohl auch Fabienne Mathier erkannt. Der notdürftig konstruierte rote Faden um die Schülerin Sarina vermag den Film allerdings ebenso wenig zu tragen.

Fazit: Wer an ein Leben nach dem Tod und eine Existenz zwischen dem Diesseits und dem Jenseits glaubt, den mag "Winna – Weg der Seelen" 80 Minuten fesseln. Wer hingegen mit etwas Verstand an die Sache herangeht, ist von diesem Dokumentarfilm nicht nur schnell gelangweilt, sondern ebenso schnell darüber verärgert.




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