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Dügün - Hochzeit auf Türkisch (2016)

Die Dokumentation "Dügün" erzählt vom Leben und vor allem Lieben türkischer Einwanderer-Nachkommen im Duisburger Stadtteil Marxloh. Denn in erster Linie auf die Bedeutung der Hochzeit innerhalb der türkischen Community, geht der Film ein.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Duisburg-Marxloh – noch heute ist der Stadtteil deutlich von der Stahlindustrie und vom Gewerbe geprägt, zumindest was die flächenmäßige Ausdehnung anbelangt: fast 50 Prozent der Fläche entfällt auf diesen Zweig, nur neun Prozent besteht aus Wohnsiedlungen. Zudem machte der Stadtteil, in dem der Anteil von Personen mit Migrationshintergrund besonders hoch ist, im letzten Jahr Schlagzeugen, da die Polizei aufgrund der Großfamilien-Clans vor rechtsfreien Räumen und "No-Go-Areas" warnte. All dies kommt in "Dügün", wenn überhaupt, nur am Rande vor, da sich der Film für einen Aspekt interessiert, der bis heute noch nicht Gegenstand einer Kino-Dokumentation war: die hohe Anzahl an Brautgeschäften in dem Stadtteil und die damit zusammenhängende Bedeutung der Hochzeit für die dort lebende türkische Gemeinde. Der Film taucht tief ein in das Leben der Community und macht klar, wie die Menschen in dieser denken, fühlen – und eben auch lieben. Das alltägliche Leben der Türken in Marxloh wird damit zudem ins Zentrum gerückt.

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Dügün - Hochzeit auf Türkisch


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

"Dügün" ist ein Gemeinschaftsprojekt der türkisch-kurdischen Filmemacherin Ayse Kalmaz und von Marcel Kolvenbach, Autor und Dokufilmer. Gemeinsam tauchten sie tief ein in eine Welt, die sich in den letzten Jahren quasi als eigener, einträglicher Wirtschaftszweig etabliert hat: das Geschäft mit den Hochzeiten und den Liebenden, jene Branche also, in der unzählige türkische Geschäftsleute alles für die perfekte, türkische Hochzeit bieten. Kalmaz, die in Izmir geboren wurde, kam mit elf Jahren nach Deutschland. Sie kennt sich mit beiden Kulturen aus und weiß um den Stellewert der traditionellen türkischen Hochzeit innerhalb der Community. Dies kam ihr beim Dreh sowie der Recherche des Films zu Gute. Kolvenbach ist ein international prämierter Dokumentarfilm-Regisseur und TV-Journalist (WDR, ZDF u.a.), der seit knapp 20 Jahren in Europa, Amerika und Afrika für seine Arbeiten und Produktionen (z.B. "Tod in der Zelle", "Atomic Africa") unterwegs ist.

Vielschichtig und spannend ist der durch den Film gewährte Einblick in eine Welt, über die man sonst man sonst kaum oder nur schwer eine derart detaillierte Kenntnis erlangt. Sicherlich erwies sich der türkische Background für Regisseurin Kalmaz bei so manchem Interview und Gespräch als Vorteil und Türöffner, sonst wäre eine derartige Offenheit der beteiligten Personen innerhalb der Gemeinschaft, allein aufgrund der sprachlichen Barrieren, wohl nur schwer denkbar gewesen. So aber werden Kalmaz und ihr beruflicher Partner Kolvenbach für eine gewisse Zeit Teil der Marxloher Brautgeschäfts- und Hochzeits-"Szene", die nicht zuletzt dank der vielen traditionellen türkischen Hochzeiten floriert. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich in dem Stadtteil mittlerweile rund 40 Brautmoden-Läden befinden. Und die Nachfrage nach dem perfekten Brautkleid, den dazu passenden Schuhen und dem schönsten Hochzeits-Saal steigt weiter.

Die beiden Filmemacher begleiten künftige Brautpaare bei den Vorbereitungen, besuchen mit der Braut die Brautmoden-Geschäfte, befragen die Brautpaar-Eltern nach ihren Gefühlen kurz vor der Hochzeit und führen Gespräche mit den Geschäfts-Inhabern und anderen Vertretern dieser florierenden Szene. So z.B. auch mit einem Mann, der eine eigene Hochzeits-Zeitschrift zum Thema herausgibt, früher selbst einen eigenen Hochzeits-Saal vermietete und als Hochzeits-Organisator auf "Du und Du" mit der kompletten türkischen Gemeinschaft des Stadtteils scheint. Durch die Gespräche werden aber immer wieder auch auftretende Diskrepanzen klar: zwar sind türkische Hochzeiten nicht selten Großereignisse mit bis zu 1000 Gästen, kosten lassen wollen es sich die Familien aufgrund der finanziell oft schwierigen Lagen aber oft nicht viel. Die Ansprüche an die Qualität der Feiern sind gestiegen aber die Menschen wollen es dennoch vor allem "billig, billig und billig", wie es ein Hochzeitssaal-Vermieter an einer Stelle im Film formuliert.

Die Tatsache, dass diese Hochzeiten aber mit derart vielen Menschen, Freunden und Verwandten zelebriert werden und sich darüber mitunter der gesellschaftliche oder finanzielle Stand bzw. Status – zumindest aber der innerhalb der türkischen Gemeinschaft – ausdrückt, macht aber eben jene große Bedeutung dieser Feier für die Menschen innerhalb der Community deutlich.

Fazit: Intensiver, intimer Einblick in die Hochzeits-"Szene" des Duisburger Stadtteils Marxloh, der die Bedeutung der traditionellen türkischen Hochzeit innerhalb der türkischen Gemeinden in Deutschland beispielhaft aufzeigt.




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Land: Deutschland
Jahr: 2016
Genre: Dokumentation
Länge: 88 Minuten
Kinostart: 08.09.2016
Regie: Ayse Kalmaz, Marcel Kolvenbach
Verleih: Real Fiction

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