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Dügün - Hochzeit auf Türkisch
Dügün - Hochzeit auf Türkisch
© Real Fiction

Kritik: Dügün - Hochzeit auf Türkisch (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Dügün" ist ein Gemeinschaftsprojekt der türkisch-kurdischen Filmemacherin Ayse Kalmaz und von Marcel Kolvenbach, Autor und Dokufilmer. Gemeinsam tauchten sie tief ein in eine Welt, die sich in den letzten Jahren quasi als eigener, einträglicher Wirtschaftszweig etabliert hat: das Geschäft mit den Hochzeiten und den Liebenden, jene Branche also, in der unzählige türkische Geschäftsleute alles für die perfekte, türkische Hochzeit bieten. Kalmaz, die in Izmir geboren wurde, kam mit elf Jahren nach Deutschland. Sie kennt sich mit beiden Kulturen aus und weiß um den Stellewert der traditionellen türkischen Hochzeit innerhalb der Community. Dies kam ihr beim Dreh sowie der Recherche des Films zu Gute. Kolvenbach ist ein international prämierter Dokumentarfilm-Regisseur und TV-Journalist (WDR, ZDF u.a.), der seit knapp 20 Jahren in Europa, Amerika und Afrika für seine Arbeiten und Produktionen (z.B. "Tod in der Zelle", "Atomic Africa") unterwegs ist.

Vielschichtig und spannend ist der durch den Film gewährte Einblick in eine Welt, über die man sonst man sonst kaum oder nur schwer eine derart detaillierte Kenntnis erlangt. Sicherlich erwies sich der türkische Background für Regisseurin Kalmaz bei so manchem Interview und Gespräch als Vorteil und Türöffner, sonst wäre eine derartige Offenheit der beteiligten Personen innerhalb der Gemeinschaft, allein aufgrund der sprachlichen Barrieren, wohl nur schwer denkbar gewesen. So aber werden Kalmaz und ihr beruflicher Partner Kolvenbach für eine gewisse Zeit Teil der Marxloher Brautgeschäfts- und Hochzeits-"Szene", die nicht zuletzt dank der vielen traditionellen türkischen Hochzeiten floriert. Wie sonst ist es zu erklären, dass sich in dem Stadtteil mittlerweile rund 40 Brautmoden-Läden befinden. Und die Nachfrage nach dem perfekten Brautkleid, den dazu passenden Schuhen und dem schönsten Hochzeits-Saal steigt weiter.

Die beiden Filmemacher begleiten künftige Brautpaare bei den Vorbereitungen, besuchen mit der Braut die Brautmoden-Geschäfte, befragen die Brautpaar-Eltern nach ihren Gefühlen kurz vor der Hochzeit und führen Gespräche mit den Geschäfts-Inhabern und anderen Vertretern dieser florierenden Szene. So z.B. auch mit einem Mann, der eine eigene Hochzeits-Zeitschrift zum Thema herausgibt, früher selbst einen eigenen Hochzeits-Saal vermietete und als Hochzeits-Organisator auf "Du und Du" mit der kompletten türkischen Gemeinschaft des Stadtteils scheint. Durch die Gespräche werden aber immer wieder auch auftretende Diskrepanzen klar: zwar sind türkische Hochzeiten nicht selten Großereignisse mit bis zu 1000 Gästen, kosten lassen wollen es sich die Familien aufgrund der finanziell oft schwierigen Lagen aber oft nicht viel. Die Ansprüche an die Qualität der Feiern sind gestiegen aber die Menschen wollen es dennoch vor allem "billig, billig und billig", wie es ein Hochzeitssaal-Vermieter an einer Stelle im Film formuliert.

Die Tatsache, dass diese Hochzeiten aber mit derart vielen Menschen, Freunden und Verwandten zelebriert werden und sich darüber mitunter der gesellschaftliche oder finanzielle Stand bzw. Status – zumindest aber der innerhalb der türkischen Gemeinschaft – ausdrückt, macht aber eben jene große Bedeutung dieser Feier für die Menschen innerhalb der Community deutlich.

Fazit: Intensiver, intimer Einblick in die Hochzeits-"Szene" des Duisburger Stadtteils Marxloh, der die Bedeutung der traditionellen türkischen Hochzeit innerhalb der türkischen Gemeinden in Deutschland beispielhaft aufzeigt.




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