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Rudolf Thome - Überall Blumen
Rudolf Thome - Überall Blumen
© Peripher

Kritik: Rudolf Thome - Überall Blumen (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit einer Handkamera begleitet Serpil Turhan, die für Rudolf Thome schon als Regieassistentin und Darstellerin gearbeitet hat, in ihrem Dokumentarfilm den Filmemacher bei dem schwierigen Versuch, ein neues Projekt auf die Beine zu stellen. Über einen Zeitraum von mehreren Monaten besucht Turhan Rudolf Thome hierfür immer wieder auf seinem Bauernhof in Brandenburg und zeigt unter anderem, wie dieser an seinem Drehbuch schreibt, kurze Filme auf Vimeo hochlädt, mit der Tochter skypet und vor allem in seinem Garten arbeitet.

Es sind solche meist alltäglichen, angenehm unspektakulären Momente, die "Rudolf Thome – Überall Blumen" ausmachen und so gar nicht an den typischen Methoden des Porträtfilms interessiert sind. Turhan versucht sich nicht an einer ehrfurchtsvollen Hommage oder einem nostalgischen Rückblick, sondern findet in der mit Thome geteilten Gegenwart einen persönlichen Zugang zu dem Regisseur und seinem Werk.

Dabei mutet der Dokumentarfilm beinahe selber an, als sei er von Thome geschaffen: Lakonisch, mitunter ironisch und stets neugierig blickt "Rudolf Thome – Überall Blumen" nämlich auf den Protagonisten und dessen Welt und erinnert in seiner Leichtigkeit durchaus an Thomes eigene Arbeiten. Dass der Filmemacher sich selber als Hauptdarsteller für sein neuestes Projekt in Betracht zieht und zugleich vor Turhans Kamera sich selbst verkörpert, ist eine weitere Parallele, die die Grenzen zwischen Thomes Fiktionen und Turhans Dokumentation verschwimmen lässt.

Thomes Bewusstsein darüber, gefilmt zu werden, und daher nicht anders zu können, als zu schauspielern, raubt dem Dokumentarfilm nichts von seiner Authentizität und Faszination. Denn für den Protagonisten bedeutet das Wissen, dass er Teil einer Inszenierung ist, keineswegs Abgeklärtheit oder ironische Distanz. Stattdessen präsentiert Thome sich als begeisterungsfähigen, reflektierten Menschen, dessen Charme "Rudolf Thome – Überall Blumen" so sehenswert macht.

Fazit: Serpil Turhan porträtiert den Filmemacher Rudolf Thome fernab einer in Ehrfurcht erstarrten Hommage sowie ohne nostalgische Rückblicke. Stattdessen zeigt sie den charmanten Protagonisten in ganz alltäglichen Situationen und lässt dabei immer wieder die Grenze zwischen Thomes von Leichtigkeit geprägten Fiktionen und ihrer eigenen Dokumentation verschwimmen.




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