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Die Geschichte der Liebe
Die Geschichte der Liebe
© Prokino

Kritik: Die Geschichte der Liebe (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Über viele Jahre und mehrere Zeitebenen entspinnt sich die epische Geschichte von Leo und seinem Manuskript über die Liebe seines Lebens, das die Handlung in gewisser Weise zusammenhält. Als Vorlage diente der erfolgreiche, gleichnamige Roman von Nicole Krauss. Regie führte der rumänisch-französische Filmemacher Radu Mihaileanu, dessen Familie die Schrecken des Holocaust am eigenen Leib erfahren musste. Mihaileanu realisierte sein 135 Minuten langes Epos für 15 Millionen Dollar u.a. in Bukarest, Montreal und New York City. Bekannt wurde der Filmemacher durch seine Werke "Geh und Lebe" sowie "Zug des Lebens".

"Die Geschichte der Liebe" ist ein Film für Freunde epischer, ausufernder Liebesgeschichten, die ihren Reiz u.a. aus der edlen Bildsprache und der sorgsam durchkomponierten Optik beziehen. Der verschachtelt erzählte Film fordert den Zuschauer, denn: die Handlung und Zusammenhänge sind vielschichtig und komplex. Zudem liegen die (beiden Haupt-) Zeitebenen, in denen der Plot angelegt ist, weit auseinander. Zwischendurch erfolgt dann auch noch ein Abstecher nach Chile und die Themen Holocaust und Krieg werden aufgegriffen.

Dies alles erfordert – zumal bei einer Spielzeit von über 130 Minuten – vom Zuschauer Sitzfleisch und manchmal auch Durchhaltevermögen. Andererseits sorgt die nichtlineare, unkonventionelle Erzählweise wiederum dafür, dass sich "Die Geschichte der Liebe" von anderen, thematisch ähnlich gelagerten Werken abhebt und so ein hohes Maß an Wiedererkennungswert und Eigenständigkeit erhält. Über jeden Zweifel erhaben sind in jedem Fall die glaubhaft agierenden Darsteller. Vor allem Derek Jacobi als (alter) Leo, spielt mit viel Ausdruck und einem hohen Maß an Emotionalität. Und: er schafft es, seiner komplexen Figur auch reichlich sympathischen Witz einzuverleiben.

Apropos Emotionalität: ein wahres Chaos an Gefühlen durchleben die Figuren im Film. Es wird geschmust, geküsst, verliebt über Wiesen gerannt, sich aus den Augen verloren, vor Freude auf Tischen getanzt und viel geweint. Manchmal mutet das alles etwas zu viel des Guten an, ebenso wie die pathetischen Dialoge und schmalzigen Worthülsen bzw. Phrasen ("Die Liebe existiert"), die hier und da bedient werden. Und dann gibt es da noch eine kitschige "Es-war-einmal"-Erzählstimme aus dem Off. Dieser emotionale Overkill ist letztlich aber ebenso Geschmackssache wie die komplexe Erzählweise. Bedenkt man, dass den Machern ein inhaltlich doch enorm vollgestopfter, verworrener Roman als Vorlage diente, haben sie ihre Sache mit der Verfilmung alles in allem doch recht gut gemacht.

Fazit: Wie übersetzt man eine komplex erzählte, inhaltlich überfrachtete Romanvorlage in einen schön fotografierten, plot-technisch zumindest einigermaßen nachvollziehbaren Film? Regisseur Radu Mihaileanu beweist dass dies möglich ist, auch wenn er mit seinem Werk immer wieder in pathetische und schmalzig-süßliche Gefilde abdriftet.





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