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The Wounded Angel (2016)

Ranenyy Angel

Spielfilm aus Kasachstan über vier Jungen auf dem Land, die im Jugendalter in eine persönliche Krise geraten.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
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Mitte der 1990er Jahre, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, leben in einem kasachischen Dorf vier Teenager. Zharas (Nurlybek Saktaganov) ist gar nicht erfreut über die Rückkehr seines Vaters. Er saß wegen Diebstahls im Gefängnis und die Nachbarn schneiden ihn. Der Junge unterstützt seine Mutter mit einem eigenen Job. Als sein Vater erzählt, dass er einen Vorarbeiter bestechen müsste, um die ersehnte Anstellung zu bekommen, entwickelt Zharas heimlich einen Plan.

Balapan (Madiyar Arripbay) ist ein begnadeter Sänger, der Konzerte gibt und für die Raufereien seiner gleichaltrigen Freunde nichts übrig hat. Doch dann ändert er seine Meinung. Zhaba (Madiyar Nazarov) lebt allein mit seiner Mutter und sucht auf einem alten Fabrikgelände nach Metallteilen, die er verkauft. Seine Mutter macht sich Sorgen, weil der 13-Jährige keine Freunde hat. Doch an seinem Geburtstag lernt er drei Jungen kennen, die aus einem Waisenhaus für Behinderte geflohen sind und zur Betäubung giftige Dämpfe schnüffeln. Aslan (Omar Adilov) ist ein ehrgeiziger Schüler, der es unbedingt auf das medizinische Gymnasium schaffen will. Als seine Freundin schwanger wird, redet er ihr zu, abtreiben zu lassen. Sein vom Pauken überreiztes Nervenkostüm aber spielt daraufhin nicht mehr mit.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Der kasachische Regisseur und Drehbuchautor Emir Baigazin siedelt seinen Spielfilm Mitte der 1990er Jahre an, als er selbst ungefähr im Alter seiner Protagonisten war. Er erzählt also auch aus eigener Anschauung von einem Umbruch im doppelten Sinn: Die vier Dorfjungen sind in der Pubertät und sehen die Sicherheit der Kindheit schwinden. Doch die Welt der Erwachsenen empfängt sie nicht mit offenen Armen, sondern mit Desillusionierung. Im Dorf herrschen Arbeitslosigkeit, Armut und Kriminalität. Abend für Abend wird in den Häusern der Strom abgedreht, weil der Staat sparen muss. Die Geschichten steuern kein Happy End an, sondern erinnern daran, wie leicht es ist, auf der Suche nach Selbstverwirklichung fatale Fehler zu begehen. Manchmal mutet das Geschehen geradezu albtraumhaft an, aber der sozialkritische Blick des Regisseurs wirkt doch auch sehr realitätsbezogen.

Die vier Jungen sprechen nicht viel und da auch ihre Umgebung auf wenige, ebenfalls wortkarge Personen reduziert bleibt, müssen sich die Zuschauer vieles selbst erschließen. Warum hortet Zhaba unermüdlich Geld in Einmachgläsern, anstatt mit Gleichaltrigen zu spielen? Wie kann der "Ave Maria"-Sänger Balapan so radikal zum Raufbold mutieren? Die Wucht und Plötzlichkeit, mit der die Protagonisten vom Weg abkommen, überrascht und die Gründe lassen sich nachträglich oft nur vage rekonstruieren. Die Erwachsenen, die mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind, wissen nichts von den Dramen in den Köpfen ihrer Kinder. Wie die Armut, die Arbeitslosigkeit, die soziale Ächtung und Kälte auf sie wirken und welche Empörung sich in einem jungen Gemüt aufstauen kann. Die vier Hauptfiguren hadern mehr oder weniger stark mit dem männlichen Rollenbild. Und sie haben Ähnlichkeit mit dem verletzten Engel des Titels, der zugleich ein gefallener Engel ist.

Die Inszenierung und das Schauspiel beschränken sich auf einfache Mittel. Das armselige Dorf wirkt meistens verwaist, die Häuser sind furchtbar karg eingerichtet, der Mangel an Zerstreuung spiegelt sich auch in den langen Einstellungen. Die Schnitte wirken nicht fließend, sondern eröffnen meistens eine ganz andere Szene, als habe das eintönige Geschehen vorgespult werden müssen. Manchmal ist der Film tatsächlich zu langatmig, aber meistens gelingt es ihm gerade mit dieser stillen, lakonischen Art, die Aufmerksamkeit zu fesseln und Mitgefühl zu erzeugen.

Fazit: Der kasachische Regisseur Emir Baigazin erinnert in diesem düsteren Episodenfilm daran, wie labil die Schritte von Kindern in der Pubertät sind und wie leicht die positive Selbstentfaltung misslingen kann. In den vier dramatischen Geschichten spiegelt sich auch die tiefe Orientierungslosigkeit, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im ländlichen Kasachstan herrschte. Die minimalistische Inszenierung weist einige Längen auf, erreicht aber auch Momente großer Wucht und bindet die Zuschauer emotional und kognitiv geschickt mit ein, indem sie lieber zu wenig, als zu viel erklärt.




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Land: Deutschland, Frankreich, Kasachstan
Jahr: 2016
Genre: Drama
Länge: 113 Minuten
Kinostart: 03.11.2016
Regie: Emir Baigazin
Darsteller: Omar Adilov, Timur Aidarbekov, Madiyar Aripbay
Verleih: dejavu filmverleih

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