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Cahier Africain (2016)

Dokumentarfilm über BürgerInnen der Zentralafrikanischen Republik, die Opfer soldatischer Gewalt und von Vertreibungen sind.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
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Im Jahr 2008 stößt die Filmemacherin Heidi Specogna in der Zentralafrikanischen Republik auf ein unscheinbares Schulheft, in dem 300 Frauen und Mädchen Zeugnis ablegen über ihre Vergewaltigung. Wie die junge Muslimin Amzine, die im Anschluss an die Geschehnisse von 2002 eine Tochter bekam, waren sie Opfer einer systematischen Kriegsstrategie kongolesischer Söldner geworden. Ihr militärischer Kommandeur Jean-Pierre Bemba muss sich während der Dreharbeiten vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten – seine Verurteilung erfolgt erst im März 2016.

Das Heft gelangt als wichtiges Beweismittel nach Den Haag, doch noch bevor der Prozess zu Ende geht, bahnt sich 2013 in der Zentralafrikanischen Republik die nächste kriegerische Auseinandersetzung an. Amzine und ihre Kinder können nicht in der Hauptstadt Bangui bleiben, sondern müssen wie unzählige andere muslimische Bewohner fliehen. Eine christliche Miliz rächt sich nämlich blutig an Zivilisten für die vorangegangenen Gräueltaten der muslimischen Séléka-Rebellen.

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Cahier AfricainCahier AfricainCahier Africain - Heidi SpecognaCahier AfricainCahier AfricainCahier Africain


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Eigentlich wollte die Filmemacherin Heidi Specogna davon erzählen, wie Frauen und Mädchen in der Zentralafrikanischen Republik nach ihren schlimmen Kriegserlebnissen von 2002 im Leben wieder Fuß fassen. Während der siebenjährigen Dreharbeiten zu ihrem Dokumentarfilm aber versinkt das Land erneut in einem Strudel der Gewalt. Die Opfer von 2002 müssen aus ihren Häusern fliehen. So wird diese Langzeitbeobachtung der Schweizer Regisseurin, die in Berlin lebt, zu einem Dokument der schrecklichen Lebensbedingungen in einem Land, das nicht zur Ruhe kommt.

Amzine ist eine selbstbewusste Frau. Sie hat sich scheiden lassen vom Vater ihrer kleinen Söhne, weil er sie nicht gut behandelt hat. Die Leute im Quartier PK 12 am Rande von Bangui reden deshalb schlecht über sie, aber sie will keinen Mann mehr. Amzine sagt, dass ihr der Anblick ihrer gewaltsam gezeugten Tochter Fane immer einen Stich versetzt, aber sie ist dem Kind eine gute Mutter. Das christliche Mädchen Arlette wurde von einer Kugel am Knie verletzt und 2012 in Berlin operiert. Nun könnte sie wieder schmerzfrei nach vorne schauen, aber im Jahr darauf bringt sie die Vertreibung aus PK 12 an den Rand der Verzweiflung. Specogna fängt in thematisch breitgefächerten Aufnahmen ein, wie das Land im Chaos versinkt. Auf der Straße liegen die Leichen Ermordeter, ein Mob junger Christen verhöhnt Muslime, es bilden sich Flüchtlingskonvois auf der Hauptstraße. Auf einmal ist das einst so belebte Quartier PK 12 verwaist und die Filmemacherin muss im Nachbarland Tschad nach Amzine suchen.

Die vielen kleinen Beobachtungen, die wie zufällig entstehen, formen sich zu einem authentischen Puzzle des Leids der Zivilbevölkerung. Es ist die Folge eines Geflechts aus politischem Versagen, internationaler Zurückhaltung und Radikalisierung ethnischer Gruppen. Eine der vielen zu Herzen gehenden Szenen zeigt einen kleinen Jungen, der in einem Flüchtlingslager am Telefon nach seinem Vater fahndet, während ihm die Tränen über das Gesicht laufen. In Voice-over fügt Specogna dieser Chronik einer afrikanischen Tragödie gelegentlich Erläuterungen bei. Dennoch spiegelt sich in der Montage die Unübersichtlichkeit und das Zerfahrene, das zum Alltag der Protagonisten gehört. Amzine aber gibt nicht auf und beschert dem Film trotz allem ein Quäntchen Hoffnung.

Fazit: Heidi Specognas filmische Langzeitbeobachtung in der Zentralafrikanischen Republik zeigt eindringlich auf, wie die Zivilbevölkerung aufgrund permanenter kriegerischer Auseinandersetzungen nicht zur Ruhe kommt. Während die Frauen, die 2002 von Söldnern vergewaltigt wurden, noch auf den Urteilsspruch des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag warten, müssen viele von ihnen vor anrückenden Rebellen ins Ungewisse fliehen. Der Film fängt das Lebensgefühl der Menschen unmittelbar ein und ermöglicht bewegende Einblicke in eine von der Weltöffentlichkeit weitgehend ignorierte Realität.




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FBW: besonders wertvollKonzipiert als Langzeitdokumentation basiert der Film auf einem Fundus von Recherchen, Fotos, Briefen und Drehmaterial, der den Lebensweg seiner Protagonisten seit 2008 festhält. Der zufälligen Begegnung mit dem CAHIER AFRICAIN, einem [...mehr]

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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Schweiz, Deutschland
Jahr: 2016
Genre: Dokumentation
Länge: 119 Minuten
Kinostart: 10.11.2016
Regie: Heidi Specogna
Verleih: dejavu filmverleih

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