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Das Versprechen - Erste Liebe lebenslänglich
Das Versprechen - Erste Liebe lebenslänglich
© farbfilm verleih

Das Versprechen - Erste Liebe lebenslänglich (2016)

The Promise

Der Dokumentarfilm vertieft sich in den Fall des Deutschen Jens Söring, der seit 1990 in den USA wegen eines Doppelmords, den er womöglich nicht begangen hat, in Haft sitzt.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.5 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 4 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Jens Söring ist in diesem Jahr 50 geworden. Seit 30 Jahren sitzt er im Gefängnis, zuerst in England, dann in den USA, wegen eines Mordfalls aus dem Jahr 1985 in Lynchburg, Virginia. Die wohlhabenden und angesehenen Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom wurden in ihrem Haus brutal erstochen aufgefunden. Als die Tochter und ihr Freund, der Diplomatensohn Jens Söring, ins Visier der Ermittler gerieten, setzten sich die beiden Studenten ins Ausland ab. 1986 wurden sie in England verhaftet. Er gestand den Mord, weil er, wie er später sagte, Elizabeth vor dem elektrischen Stuhl retten wollte. Er glaubte, dass ihn sein Diplomatenpass schützen würde und dass er in Europa bald auf Bewährung freikäme. Elizabeth trennte sich brieflich von ihm und beschuldigte ihn in ihrem Prozess 1987 der Tat. Sie wurde wegen Anstiftung zum Mord zu 90 Jahren Haft verurteilt, die sie immer noch absitzt.

Söring wurde 1990 in die USA ausgeliefert, unter der Bedingung, dass dort auf die Beantragung der Todesstrafe verzichtet wurde. Beim Prozess vor einem Geschworenengericht, den ein Richter leitete, der mit Elizabeths Onkel befreundet war, beteuerte Söring seine Unschuld, wurde aber zu zweimal lebenslänglich verurteilt. Am Tatort gab es keine Fingerabdrücke von ihm – Jahre später sollte auch die Untersuchung von DNS-Spuren negativ bleiben. 2010 stimmte Virginias Gouverneur Sörings Überstellung nach Deutschland zu, aber sein Nachfolger im Amt stoppte sie wieder.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Ein grausamer Doppelmord, der bis heute ungelöste Fragen aufwirft, ein Gerichtsprozess voller Verfahrensfehler und die Geschichte einer fatalen Jugendliebe: Dieser Dokumentarfilm kann es mit dem fiktionalen Thriller-Genre locker aufnehmen. Der Filmemacher Marcus Vetter und die Journalistin Karin Steinberger gehen in ihrer dritten Zusammenarbeit nach "Hunger" und "The Forecaster" dem tragischen und skandalösen Fall des seit 30 Jahren inhaftierten Jens Söring nach. Im Zentrum ihres minutiös recherchierten Films stehen Ausschnitte aus einem vierstündigen Gespräch, das sie 2014 mit Söring in seinem Gefängnis in Virginia drehen konnten. Nach vielen erfolglosen Bewährungsgesuchen hofft Söring nun, dass dieser Film ihm helfen wird, endlich wieder freizukommen. Denn Vetter und Steinberger holen einen neuen Entlastungszeugen vor die Kamera und lassen fachkundige Beobachter zu Wort kommen, mit denen sie die Ermittlungen und den Gerichtsprozess regelrecht auseinandernehmen.

Ein 18-jähriger Student verliebt sich in eine zweieinhalb Jahre ältere Kommilitonin, die Drogen nimmt, ihre Eltern hasst und ihm glühende Briefe schreibt. Elizabeth, die von ihrer Mutter missbraucht worden sein soll, lässt sich auch vor Gericht nicht in die Karten schauen – eine geheimnisvolle Femme fatale. Söring wirkt im Prozess von 1990 hingegen wie ein Junge, der sich mit naiver Kühnheit ins große Abenteuer gestürzt hatte. Vetter und Steinberger erwecken die jugendliche Leidenschaft mit Spielfilmelementen zum Leben, einer anonymen Autofahrt zum Tatort, unterlegt mit dem Song "I Put a Spell on You". Und mit Auszügen aus Briefen, die von Imogen Poots und Daniel Brühl aus dem Off vorgelesen werden.

Noch aufwühlender ist allerdings das Versagen der Justiz, die wichtige Zeugen nicht vernimmt und sich auf den Fremden als Täter einschießt. Zum Unterstützerkreis, der sich für Sörings Freilassung einsetzt, gehört auch eine ehemalige Staatsanwältin Virginias, die wesentliche Punkte der gerichtlichen Beweisführung in der Luft zerreißt. So wirft der Film auch einen sehr kritischen Blick auf das amerikanische Justizsystem mit seinen leicht beeinflussbaren Geschworenen und drakonischen Strafen. Seine schnittintensive, ausgefeilte Dramaturgie schürt die detektivische Neugier der Zuschauer, indem sie sie etappenweise an die vielen Merkwürdigkeiten und Rätsel dieses Falls heranführt. Bleibt zu hoffen, dass der Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" endlich auch bei Jens Söring angewandt wird.

Fazit: Der Dokumentarfilm von Marcus Vetter und Karin Steinberger vertieft sich mit detektivischem und dramaturgischem Spürsinn in den Fall des seit 1990 in den USA inhaftierten Jens Söring. Der Deutsche bestreitet den Mord an den Eltern seiner Jugendfreundin Elizabeth Haysom im Jahr 1985. Die vielen offenen Fragen und Justizpannen, die der aufwühlende Film auflistet, legen nahe, dass Söring ohne ausreichende Beweise verurteilt wurde und Opfer eines schwerfällig-gnadenlosen Justizapparats ist.





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Land: USA, Deutschland
Jahr: 2016
Genre: Dokumentation, Krimi
Länge: 131 Minuten
FSK: 18
Kinostart: 27.10.2016
Regie: Karin Steinberger, Marcus Vetter
Darsteller: Imogen Poots als Elizabeth Haysom (voice), Daniel Brühl als Jens Söring (voice), Jens Söring als Himself
Verleih: farbfilm verleih

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