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Kritik: The Farmer and I (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die deutsche Filmemacherin Irja Bernstorff lernt auf einer Reise durch das Königreich Bhutan den jungen Landwirt Sangay kennen. Ihre Ansichten über die Gefahren der Globalisierung und über den Nutzen einer nachhaltigen regionalen Landwirtschaft ähneln sich. Sie beschließen, dem einzigen TV-Sender des Landes eine 25-teilige Spielfilmserie vorzuschlagen, in der es um eine junge Frau geht, die aus der Stadt in ihr Heimatdorf zurückkehrt. Mit Laiendarstellern gedreht, soll die Serie den Zuschauern bewusstmachen, dass die Landwirtschaft berufliche Perspektiven bietet und dass heimische Produkte wichtig für eine gesunde Ernährung sind. Die Regisseurin und der Landwirt wünschen sich, dass es dem lange abgeschotteten Land weiterhin gelingen wird, der Globalisierung zu widerstehen und seine kulturelle Eigenständigkeit zu bewahren. Doch das Filmprojekt gestaltet sich dann schwieriger als erwartet.

Eine junge Bäuerin, die in der Serie mitspielt, sagt am Rande der Dreharbeiten, dass auch sie gerne fortziehen würde – einfach, um die Welt außerhalb des Dorfs kennenzulernen. Der Trend der Landflucht hat viele Ursachen. Wer freiwillig aufs Dorf zurückkehrt, wie Sangay, sieht die Dinge von einer anderen Warte als junge Menschen, die noch nie in der Stadt gelebt haben. Viele Probleme auf dem Dorf, wie geringes Einkommen und fehlende Vermarktungsmöglichkeiten, werden nur kurz erwähnt und leider nicht weiter vertieft. Aber auch die kulturelle Barriere, die Sangay und Irja für ihre Meinungsverschiedenheiten verantwortlich machen, wird nicht näher erläutert, so dass die interessanten Konflikte des Filmteams nur teilweise verständlich werden. Offenbar will Sangay unter anderem eine größere Rolle im Film spielen und dessen Informationsgehalt betonen. Weil Irja ihn letztlich unterstützt, bekommen die Bhutaner eine Serie zu sehen, die vom üblichen Unterhaltungsprogramm deutlich abweicht.

Die fantastische Landschaft des Himalaya bietet einen wunderbaren Rahmen für diese filmische Selbstreflexion zweier Idealisten, die etwas bewirken wollen. Sie sind mutig genug für aufreibende Auseinandersetzungen vor der Kamera. So zeigen sie, dass ein solches Projekt nicht am unvermeidlichen Culture Clash scheitern muss, wenn man langen Atem besitzt und das Ziel im Auge behält. Ein interessanter Film für Leute, die sich in der Entwicklungshilfe engagieren wollen, für Globalisierungskritiker und Verfechter landwirtschaftlicher Autarkie.

Fazit: Eine deutsche Filmemacherin und ein bhutanischer Landwirt beschließen, mit einer fiktionalen TV-Serie ein Zeichen gegen die grassierende Landflucht in Bhutan zu setzen. Den Zuschauern sollen Chancen und Nutzen einer nachhaltigen Landwirtschaft bewusst gemacht werden, doch über das Wie geraten sich die beiden Autoren schnell in die Haare. Ihr Konflikt verleiht dem idealistischen Projekt, das zu scheitern droht, eine besondere Spannung und Authentizität. So entsteht ein selbstreflexiver, recht kurzweiliger Dokumentarfilm in schöner Berglandschaft.





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