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Lowlife Love
Lowlife Love
© Rapid Eye Movies

Kritik: Lowlife Love (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Lowlife Love" ist eine pechschwarze Komödie über die japanische Filmindustrie mit einem besonderen Fokus auf den ansonsten zumeist komplett ignorierten Bodensatz derselben. In seiner japanischen Heimat führte das Werk zu zahlreichen Kontroversen. Kein Wunder, denn krasse Filme aus dem Land der aufgehenden Sonne gibt es zwar zuhauf, aber einen Film, welcher der stets freundlich lächelnden japanischen Gesellschaft derart rabiat die Maske von der kalt grinsende Fratze zieht, den sieht man dann doch so gut wie nie. Nicht nur der von Kiyohiko Shibukawa extrem gut verkörperte C-Movie-Macher Tetsuo, sondern auch die großen Fische der Industrie, wie der blasierte Kommerz-Regisseur Kano (Kanji Furutachi), werden als ein Haufen skrupelloser Egomanen porträtiert. Aber auch die "normalen" Menschen, wie Tetsuos kleine Schwester - die sich später als eine minderjährige Pornodarstellerin entpuppt - bekommen in "Lowlife Love" kräftig ihr Fett ab.

Dass dies so gut gelingt, liegt auch an der gelungenen Charakterzeichnung von Autor und Regisseur Eiji Uchida: Denn obwohl viele Figuren von ihrer Grundanlage her recht stereotyp sind, besitzen sie zugleich fast alle unerwartete gute und schlechte Seiten und bestimmte Eigenheiten, die man nicht unbedingt von ihnen erwarten würde. Hierzu gehört, dass Tetsuo immer wieder andächtig ein Foto des gealterten amerikanischen Independentfilm-Pioniers John Cassavetes betrachtet und diesen als seinen persönlichen Religionsersatz scheinbar innerlich um Rat angeht. Dazu gehört ebenso, dass der aalglatte Kano Tetsuo in einer Szene mit der Faust niederschlägt und anschließend versichert, dass er früher so oft am Set gemobbt wurde, dass er sich zur Selbstverteidigung das Boxen beigebracht habe. Und dazu gehört schließlich auch, dass sich Tetsuo in einer eher untypisch zärtlichen Szene von dem ihn liebenden Assistenten Mamoru (Yoshihiko Hosoda) - "aber nur dieses eine Mal - küssen lässt.

Fazit: "Lowlife Love" ist eine bitterböse Satire auf den Bodensatz der japanischen Filmindustrie, wie man sie in dieser Unverblümtheit wohl noch nie gesehen hat.





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