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Kritik: Die Welt der Wunderlichs (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit Komödien über liebenswürdige, schrullige Protagonisten, kennt sich der aus Basel stammende Regisseur und Schauspieler Dani Levy aus. Bekannt und international erfolgreich wurde Levy mit Filmen wie "Meschugge", "Väter" und "Alles auf Zucker", eine der gefeiertsten deutschen Komödien der mittleren 00er-Jahre. Sein neues Werk, "Die Welt der Wunderlichs", erzählt von einer überforderten, psychisch labilen Mutter, die unter ihrer neurotischen Familie zu leiden hat. Mehr noch als in seinen anderen Filmen bisher widmet sich der 58-jährige Filmemacher hier den Themen Familie, Erziehung und Musik sowie der Kraft der Träume und Wünsche. Ein hochkarätiges Ensemble stand ihm hierfür zur Verfügung: von Hauptdarstellerin Katharina Schüttler ("Elser") über Burgtheater-Star Peter Simonischek ("Toni Erdmann") bis hin zu Hannelore Elsner ("Die Unberührbare").

Dani Levy ist seit jeher bekannt für seinen Hang zu leichtem Witz, der alles ist, bloß kein deftiger Schenkelklatscher-Humor. Etwas derber als gewohnt geht es hier schon zur Sache, aber zu keiner Zeit agiert Levy in seinem neuen Werk mit brachialem Brechstangen-Witz. Dass es hier etwas lauter, schriller und grobkörniger zugeht als sonst bei ihm, liegt vor allem an den exzentrischen, überdrehten Figuren, die mit allerlei Neurosen ausgestattet sind. "Die Welt der Wunderlichs" überrascht mit einem Haufen bunter Charaktere, die sich laut streiten, debattieren, gemeinsam weinen und für ordentlich Chaos sorgen – im Leben von Mimi (angenehm geerdet und authentisch im Spiel: Katharina Schüttler) und auf der turbulenten Reise zum Contest. Die chaotische Sippe schafft es, den Zuschauer gut zu unterhalten, auch, weil die Darsteller in ihren Rollen aufgehen und diese mit Leidenschaft verkörpern.

Erinnerungen an die großartige US-Indie-Komödie "Little Miss Sunshine" werden hier freilich wach, deren Klasse Levys Film aber nicht erreicht. Der überdrehten, alles andere als normalen Familie bei ihrem Tun und Handeln zuzusehen macht dabei aber dennoch zu weiten Teilen Laune, auch, weil die Darsteller in ihren Rollen leidenschaftlich und mit viel Spielfreuden auftrumpfen Allen voran Katharina Schüttler, die versucht, Familie, Beruf und Erziehung unter einen Hut zu bekommen und Hannelore Elsner als ehemalige Schlager-Queen, die vor allem durch ihre Exzentrik und Dauer-Melancholie aus der Reihe tanzt. Sie – und auch Simonischek als spielsüchtiger, manisch-depressiver Vater – haben die meisten der komischen Momente auf ihrer Seite.

Schade ist, dass Levy einige der anderen Figuren aber derart überzeichnet-karikaturhaft und übertrieben klischeehaft anlegt, dass eine Identifikation mit diesen schwer fällt. So z.B. Mimis Ex-Mann Johnny, der lediglich das Klischee des dauer-zugedröhnten, abgehalfterten Rocksängers erfüllt. Zudem kommt der Casting-Show-Nebenstrang über die aufgesetzte Glitzer-Welt und Oberflächlichkeit dieses TV-Formats, ein wenig zu kurz. Da dieser Aspekt zu brav und unreflektiert geraten ist, funktioniert er als Kritik an der Reality-TV-Scheinwelt nur bedingt.

Fazit: "Die Welt der Wunderlichs" funktioniert als kurzweiliger, spaßig-unterhaltsamer Road-Trip mit verschroben-kauzigen, schrillen Figuren immer wieder sehr gut. Leider sind manche der Protagonisten dann aber doch zu überzeichnet geraten und dem Casting-Show-Nebenstrang wird zu wenig Aufmerksamkeit zuteil.





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