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Egon Schiele: Tod und Mädchen
Egon Schiele: Tod und Mädchen
© Alamode Film © Die FILMAgentinnen

Egon Schiele: Tod und Mädchen (2016)

Egon Schiele: Death and The Maiden

Biopic über den österreichischen Maler der Belle EpoqueKritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2.5 / 5

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Egon Schiele (Noah Saavedra) steht als junger Mann 1909 noch unter der Vormundschaft seines Onkels, als er aus der Wiener Akademie vorzeitig austritt. Der leidenschaftliche, rebellische Zeichner und Maler gründet seine eigene Künstlergruppe und probt das Leben in der böhmischen Provinz, in Krumau. Aber das Experiment geht schon bald schief, denn Egon Schiele toleriert die Affäre seiner jüngeren Schwester Gerti (Maresi Riegner) mit einem seiner Freunde nicht. Gerti ihrerseits, die Schieles erstes Aktmodell ist, reagiert sehr eifersüchtig auf die anderen Frauen, die dem Maler Modell stehen.

Schiele hat von Gustav Klimt (Cornelius Obonva) ein neues Aktmodell übernommen, die rothaarige Wally Neuzil (Valerie Pachner). Für einige bewegte Jahre geht sie mit dem Maler durch dick und dünn. Aber dann heiratet Schiele die bürgerliche Edith Harms (Marie Jung), weil ihm das nach seiner Rekrutierung im Ersten Weltkrieg Erleichterungen bringt. Wally meldet sich gebrochenen Herzens als Krankenschwester an die Front und stirbt 1917 an Scharlach. Im nächsten Frühjahr werden Werke von Schiele im Rahmen der Kunstausstellung der Wiener Secession gezeigt. Aber ein halbes Jahr nach diesem großen Erfolg stirbt der Maler 28-jährig in Wien an der Spanischen Grippe.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Dieses Biopic über den sehr früh verstorbenen Wiener Maler Egon Schiele taucht überzeugend in die Atmosphäre seiner bewegten Zeit ein. Als Avantgardekünstler der Belle Epoque pflegt Schiele einen ganz anderen Stil als die Maler des Establishments. Seine erotisch anmutenden Bilder nackter oder halbnackter Frauen werden von vielen als Pornografie verunglimpft. Aber der künstlerische Durchbruch dieses leidenschaftlichen Malers und Liebhabers schöner Frauen lässt sich nicht aufhalten: Das Zeitalter der Moderne ist angebrochen. Wie eines der berühmtesten Gemälde von Schiele, "Tod und Mädchen", es schon im Titel verrät, sind Not und Verderben einerseits, Lebenslust und die Feier des Schönen andererseits die beiden Pole in dieser künstlerischen Existenz. Hilde Berger, Autorin des Romans "Tod und Mädchen: Egon Schiele und die Frauen", hat zusammen mit dem Regisseur Dieter Berner das Drehbuch zu diesem kenntnisreichen, kunstaffinen Spielfilm verfasst.

Der Newcomer Noah Saavedra erweist sich als die ideale Besetzung für diesen lebenshungrigen jungen Maler. Er verleiht ihm eine elektrisierende Energie, von der der ganze Film profitiert. Dieser Egon Schiele schleppt ein Kindheitstrauma mit sich, das nur am Rande, etwa in einer Halluzination des Malers, in einer Bemerkung erwähnt wird: Der Vater verfiel dem Wahnsinn und verfeuerte buchstäblich das Vermögen der Familie. Ob diese Erfahrung seine Bindungsscheu, sein ambivalentes Verhältnis zu Frauen erklärt? Der Film vertieft sich nicht in solche Spekulationen, sondern zeigt lediglich, mit Gefühl und Authentizität, wie Schiele ständig die Nähe zu schönen jungen Frauen sucht. Und wie er die wichtigsten Frauen in seinem Leben, die Schwester Gerti, seine Lebensgefährtin Wally, seine Ehefrau Edith, mit seinem oft rücksichtslosen, egozentrischen Verhalten vor den Kopf stößt.

Die vielen Zeitsprünge im Film erweisen sich als etwas anstrengend. Es kann eine Weile dauern, bis sich nach einem Schnitt herauskristallisiert, ob es sich um eine Rückblende handelt oder um die Rückkehr zur Rahmenhandlung mit dem Sterbenskranken. Sehr überzeugend ist hingegen die beiläufige Einbindung von Schieles Werken ins Geschehen: Mal zeichnet der Künstler die Frau, die er gerade liebkost, mal nimmt die Kamera ein fertiges Bild ins Visier. Schiele hat den fiebrigen Spannungen seiner Epoche einen liebevollen Blick auf die Menschen entgegengesetzt.

Fazit: Das Biopic des Wiener Malers Egon Schiele taucht atmosphärisch überzeugend in die Epoche vor und während des Ersten Weltkriegs ein. Es blättert das kurze Leben des Avantgarde-Künstlers reizvoll und spannungsgeladen anhand seiner Beziehungen zur Schwester, zur Dauerfreundin und zur Ehefrau auf, die ihm auch als Modell für erotisch gefärbte Akte oder Halbakte dienten. Das kraftvolle Spiel des Newcomers Noah Saavedra in der Titelrolle vertieft sich beschwingt in die Widersprüche dieses leidgeprüften, aber ungemein kreativen Charakters.




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Land: Luxemburg, Österreich
Jahr: 2016
Genre: Drama, Biopic
Länge: 109 Minuten
Kinostart: 17.11.2016
Regie: Dieter Berner
Darsteller: Noah Saavedra als Egon Schiele, Maresi Riegner als Gerti Schiele, Valerie Pachner als Wally Neuzil
Verleih: Alamode Film, Die FILMAgentinnen

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