VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Ein Lied für Nour (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der 1961 in Nazareth geborene Filmemacher Hany Abu-Assad hat mit "Paradise Now" (2005) und "Omar" (2013) zwei beklemmende Sozialdramen (mit-)verfasst und in Szene gesetzt. In seinem neuen Werk "Ein Lied für Nour", dessen Drehbuch er gemeinsam mit Sameh Zoabi schrieb, widmet er sich nun einer auf wahren Begebenheiten beruhenden Erfolgsgeschichte, die bei allem Optimismus die politisch und gesellschaftlich schwierigen Umstände keineswegs ausblendet. Erzählt wird – mit einigen künstlerischen Freiheiten – von der Kindheit sowie der späteren, siegreichen Castingshow-Teilnahme des Palästinensers Mohammed Assaf: Nachdem er etliche Hindernisse überwunden hatte, ging der junge Mann im Jahre 2013 bei "Arab Idol" als einziger Kandidat aus dem Gazastreifen als Gewinner hervor und wurde damit (nicht nur) in seiner Heimat zum Hoffnungsträger.

Die erste Hälfte des Films befasst sich mit dem Heranwachsen von Mohammed und seiner Schwester Nour. Mit seinem Stammkameramann Ehab Assal drehte Abu-Assad an Originalschauplätzen und konnte für die Kinderrollen sehr begabte Laien aus Gaza verpflichten. So entstanden eindrückliche, dynamische Aufnahmen sowie teils witzige, teils anrührende Momente, die von der Ausstrahlungskraft des jungen Ensembles leben. Im zweiten Teil gelingt es "Ein Lied für Nour", aus Mohammeds Versuch, trotz aller Widrigkeiten zum Vorsingen nach Ägypten zu kommen und dort seine Stimme präsentieren zu können, reichlich Spannung zu erzeugen – etwa bei einer Passkontrolle (mit gefälschten Papieren) oder vor und in dem Hotel, in dem das Casting stattfindet, zu welchem Mohammed zunächst keinen Zutritt erhält, da ihm das nötige Ticket fehlt. Die Inszenierung vermeidet den Einsatz von Pathos; der Protagonist wird nicht zum Helden stilisiert, sondern als entschlossener Twen gezeigt, dem der tragische Verlust seiner Schwester immer noch anzumerken ist.

Tawfeek Barhom ("Mein Herz tanzt") kann in der zweiten Filmhälfte im Hauptpart überzeugen; er bringt glaubhaft zum Ausdruck, dass auf Mohammed ein enormer Druck lastet. Die Angst, den plötzlich vorhandenen, extrem hohen Erwartungen nicht gerecht zu werden, wird für uns als Zuschauer_innen spürbar. Im Finale des Films, das zugleich das Finale der Castingshow ist, wechseln die Bilder schließlich von der Fiktion zur Wirklichkeit des Jahres 2013, womit Abu-Assad ein emotionales Ende für sein Werk findet.

Fazit: Märchenhaft – und doch auf Tatsachen beruhend. Ein optimistisch stimmender, aber nicht naiver Film mit einer tollen jungen Schauspieltruppe und einem intensiv agierenden Tawfeek Barhom.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.