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Magnus - Der Mozart des Schachs
Magnus - Der Mozart des Schachs
© Moskus Film AS

Kritik: Magnus - Der Mozart des Schachs (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der norwegische Regisseur Benjamin Ree lässt sein Werk "Magnus – Der Mozart des Schachs" mit dramatischen, spannungsreichen Bildern der Schachweltmeisterschaft 2013 beginnen, durch die wir ein Gefühl dafür bekommen, mit welchem Druck der Kampf um den Weltmeistertitel einhergeht und welch hoher Aufmerksamkeit die beiden Teilnehmer ausgesetzt sind. Ehe sich der Film dem Verlauf dieses Ereignisses widmet, unternimmt Ree jedoch eine Reise in die Vergangenheit des 1990 geborenen Herausforderers Magnus Carlsen. Dank familiärer Heimvideoaufnahmen reicht dieser Blick bis ins Jahr 1994 zurück.

Wie der Titelzusatz "Der Mozart des Schachs" bereits signalisiert, handelt es sich bei Magnus Carlsen um einen außergewöhnlichen Menschen. Wenn in einer Sequenz gezeigt wird, wie der junge Mann mit verbundenen Augen gegen eine ganze Gruppe von professionellen Spielern antritt und gewinnt, kann man durchaus nachvollziehen, dass Magnus als Talent "aus einem anderen Universum" bezeichnet wird. Ree begeht allerdings nicht den Fehler, seinen Protagonisten zu überhöhen, sondern erzeugt eine Nähe zu Magnus und dessen Umfeld. Es wird deutlich, dass der Familie eine wichtige Rolle in Magnus' Leben zukommt. Zwar war der spätere Schachweltmeister ein gedankenverlorenes Kind, das sich häufig zurückzog; dennoch wird in den Aufnahmen klar, dass Magnus im Herumalbern mit seinen Eltern und Schwestern stets den nötigen Ausgleich fand. Überdies lässt Ree den erstaunlichen Überflieger auch über seine "inneren Dämonen" sprechen. Neben interessanten Interviews mit Magnus und dessen Vater Henrik fällt der Anteil an talking heads insgesamt etwas zu kurz aus; hier wären weitere Statements der Geschwister sowie Äußerungen von Magnus' Schachgegnern reizvoll gewesen, um zusätzliche Ansichten kennenzulernen.

Sehr gelungen ist indes die Art, wie Ree das Spielerisch-Intuitive in Magnus' Herangehensweise an eine Schachpartie erfasst – sowie die Momente, in denen Magnus befürchtet, seine Intuition verloren zu haben. Wenn der norwegische Herausforderer auf der Weltmeisterschaft 2013 auf Viswanathan Anand trifft, kommt es zu einem Duell zwischen Magnus' intuitivem Stil und der analytischen Methode, die der mehr als 20 Jahre ältere, indische Titelverteidiger anwendet. In diesen Passagen schafft es "Magnus – Der Mozart des Schachs", weitaus stärker als manche fiktionalisierte Bearbeitung eines Schachduells (etwa Edward Zwicks "Bauernopfer – Spiel der Könige") zu sein.

Fazit: Ein überzeugender Dokumentarfilm, der uns seinen Protagonisten sowie dessen Umfeld und Spielstil gekonnt nahebringt, jedoch von zusätzlichen Perspektiven profitiert hätte.





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