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Alice und das Meer (2014)

L'Odyssée d'Alice

Drama: Eine junge Frau nimmt einen Job auf einem Frachtschiff an – und begibt sich damit nicht nur auf eine äußere, sondern auch eine innere Reise.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

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Die Französin Alice (Ariane Labed) lässt ihren norwegischen Freund Felix (Anders Danielsen Lie) zurück, um für einen knappen Monat eine Stelle als zweite Mechanikerin auf dem Frachtschiff "Fidelio" anzutreten. Ihr Vorgänger verstarb auf hoher See, angeblich an einem Schlaganfall. Bald muss sie feststellen, dass es sich bei dem Schiff, auf dem sie zu arbeiten beginnt, um ihre einstige Ausbildungsstätte handelt, auf der sie als Kadettin ihr Handwerk erlernte. Ihr ehemaliger Ausbilder Gaël (Melvil Poupaud) ist nun als Erster Offizier mit an Bord. Mit ihm führte Alice damals eine Beziehung – und es dauert nicht lange, bis die alten Gefühle zwischen den beiden wieder aufflammen, wiewohl auch Gaël inzwischen vergeben ist. Als Alice nach Marseille zurückkehrt, erzählt sie Felix nichts von ihrer Affäre. Doch als sie schon kurze Zeit später das Angebot erhält, als Chefingenieurin für drei weitere Monate auf der "Fidelio" tätig zu werden, wird ihre Beziehung zu dem ruhigen Norweger auf die Probe gestellt.

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Alice und das MeerAlice und das MeerAlice und das MeerAlice und das MeerAlice und das Meer - Ariane Labed als AliceAlice und das Meer


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

In ihrem Langfilmdebüt "Alice und das Meer" demonstriert die Regisseurin Lucie Borleteau ein beachtliches Gespür für das Milieu, in dem sie ihre Geschichte verortet: Mit ihrem Kameramann Simon Beaufils fängt sie die Arbeit auf einem Frachtschiff in dokumentarisch anmutenden Bildern ein, während sie als Drehbuchautorin (gemeinsam mit Clara Bourreau und Mathilde Boisseleau) von einer selbstbestimmten, jungen Mechanikerin erzählt, die sich in einem männerdominierten Beruf behaupten muss. Borleteau schildert mit genauem Blick den Alltag an Bord, insbesondere im Maschinenraum – und befasst sich dabei auch mit den (teilweise recht albern wirkenden) Ritualen, durch die das Leben auf hoher See sowie die kurzen Aufenthalte in diversen Häfen zu einer Parallelwelt mit ganz eigenen Regeln werden. Eine mystisch-melancholische Ebene entsteht überdies durch die Tagebucheinträge des verstorbenen Vorgängers der Protagonistin Alice. Die Todesumstände des älteren Mannes bleiben im Unklaren; dessen Seebestattung zählt indes zu den vielen interessanten Szenen des Films.

Bemerkenswert ist nicht zuletzt der Gender-Aspekt, dem sich "Alice und das Meer" widmet: So gehören amouröse Abenteuer in den Häfen für die männliche Crew völlig selbstverständlich zur Tätigkeit in der Handelsmarine dazu; als Frau kann sich Alice diese Freiheit nach Ansicht ihrer Kollegen allerdings nicht erlauben, ohne dadurch ins Gerede zu geraten. Alice erfährt eine gewisse Ausgrenzung; auch gegen einen sexuellen Übergriff muss sie sich wehren. All dies wird nicht auf übertrieben-melodramatische, sondern glaubwürdig-realistische Weise vermittelt. Ebenso dient die Affäre, auf die sich Alice mit ihrem verheirateten Ex-Freund und Vorgesetzten Gaël einlässt, nicht dazu, einen Soap-Nebenstrang im "Grey's Anatomy"-Stil einzuflechten. Vielmehr wird hier – unaufgeregt, aber nicht spannungslos – ein ernsthafter und nachvollziehbarer Konflikt aufgebaut, dem sich die Heldin dieser Odyssee zu stellen hat.

Ariane Labed (demnächst in "Assassin's Creed" zu sehen) wurde 2014 auf dem Festival del film Locarno für ihre Darbietung der Hauptrolle zu Recht als beste Schauspielerin prämiert; sie verleiht ihrer Figur eine reizvolle Mischung aus Orientierungslosigkeit und Entschlossenheit und lässt die Intelligenz sowie Kompetenz von Alice erkennen. Melvil Poupaud ("Laurence Anyways") und Anders Danielsen Lie ("Oslo, 31. August") wissen als gegensätzliche Männer in Alice' Leben ebenfalls zu überzeugen. "Alice und das Meer" ist ein Film mit vielschichtig gezeichnetem Personal sowie komplexen Beziehungen.

Fazit: Eine präzise Milieustudie, die gekonnt Akkuratesse mit einem Hauch von Melancholie verbindet und sich durch realitätsnah entwickelte Figuren sowie ein begabtes Ensemble auszeichnet.




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Land: Frankreich
Jahr: 2014
Genre: Drama
Länge: 97 Minuten
Kinostart: 22.09.2016
Regie: Lucie Borleteau
Darsteller: Ariane Labed als Alice, Melvil Poupaud als Gaël, Anders Danielsen Lie als Felix
Verleih: Film Kino Text, Die FILMAgentinnen

Zusatzinformation

In Locarno auf dem "Festival del film" wurde Hauptdarstellerin Ariane Labed für Ihre Leistung mit dem Preis für die beste Schauspielerin ausgezeichnet.

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