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American Pastoral
American Pastoral
© 2016 Lionsgate

Kritik: Amerikanisches Idyll (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Amerikanisches Idyll" ist das Langfilm-Regiedebüt des schottischen Schauspielers Ewan McGregor. Es handelt sich dabei um eine Adaption des gleichnamigen, mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Romans von Philip Roth aus dem Jahre 1997. Das Skript von John Romano entstand bereits 2006. Doch obwohl diese Geschichte schon vor zehn Jahren als Drehbuch beziehungsweise vor fast zwei Dekaden in belletristischer Form verfasst wurde und in den 1950er sowie 1960er Jahren angesiedelt ist, lassen sich (erschreckenderweise) ganz aktuelle Bezüge herstellen.

Dies liegt vor allem an der komplex gestalteten Figur Merry, die in ihrem adoleszenten Zorn von dem Ex-Kinderstar Dakota Fanning ("Krieg der Welten") sehr eindrücklich verkörpert wird. Im Zuge der race riots sowie der Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg wandelt sich die seit ihrer Kindheit stotternde Merry von einer Aktivistin zur Terroristin, als sie sich einer extremistischen Gruppe anschließt – was unweigerlich an heutige Teenager denken lässt, die in den Fundamentalismus abdriften. Fanning kann in ihrer Interpretation der Rolle stets glaubhaft machen, dass Merry ein kluger junger Mensch ist, der sich allerdings zunehmend irrational verhält und deshalb für sich und andere zur Gefahr wird.

McGregor und seine Leinwandpartnerin Jennifer Connelly lassen die existenzielle Krise spürbar werden, in die das bürgerlich lebende Elternpaar durch das Verschwinden und die mögliche Schuld der Tochter gerät: Überzeugend vermitteln die beiden, wie der persönliche American Dream von Seymour und Dawn zerbröckelt – und wie unterschiedlich diese damit umzugehen versuchen. Wenn Dawn an ihre psychischen Grenzen stößt und Seymour sich in der Suche nach Merry zu verlieren droht, muten die Darbietungen zuweilen theatralisch an; diese Spielweise funktioniert hier aber überaus gut. Viele bemerkenswerte Momente gelingen dem Film auch durch die treffend besetzten Nebenparts – so etwa durch die furiose Valorie Curry ("Blair Witch"), die zurückhaltend, doch eindringlich agierende Uzo Aduba ("Orange Is the New Black") oder den als comic-relief-Figur auftretenden Peter Riegert ("Local Hero").

Die Verknüpfung des zentralen Plots mit einer Rahmenhandlung, in welcher der Schriftsteller Nathan Zuckerman (David Strathairn) Mitte der 1990er Jahre bei einem Highschool-Klassentreffen Seymours jüngerem Bruder Jerry (Rupert Evans) begegnet, ist sowohl dramaturgisch als auch inszenatorisch etwas unelegant und weniger zwingend als in Roths Vorlage. Rundum einnehmend sind indes die Kostüme sowie das Produktionsdesign und die Kameraarbeit von Martin Ruhe, da sich die fatalen Veränderungen im Leben der Levovs auch in der Ausstattung, Lichtsetzung und Verwendung der Farben erkennen lassen. Überdies entfaltet die Musik von Alexandre Desplat eine ungeheure Wucht.

Fazit: Ewan McGregor hat aus dem Roman von Philip Roth einen spannungsreichen historischen Film von aktuellem Belang gemacht. Insbesondere das Spiel von Dakota Fanning als Tochter auf dem Irrweg ist beeindruckend.





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