VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Suburra
Suburra
© Koch Media © 24 Bilder

Kritik: Suburra (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Crime, Gesellschaftskritik und sarkastischer Humor gehen in Stefano Sollimas bitterbösem "Suburra" eine fulminante Verbindung ein. Wie in der gleichnamigen Romanvorlage von Carlo Bonini und Giancarlo De Cataldo regiert in der römischen Hauptstadt das Verbrechen. Aber das Gleichgewicht der Kräfte erweist sich als höchst fragil. Der Titel bezeichnet ein übel beleumundetes Stadtviertel der Antike, in dem das Establishment auf die Armen und die Unterwelt traf und krumme Geschäfte machte. An diesem Prinzip hat sich in Rom auch im November 2011 nichts geändert. Der Papst bereitet gerade seinen Rücktritt vor, aber ansonsten herrscht in der Stadt und sogar im Vatikan Business as usual: Überall schauen die Leute auf ihren Vorteil und nicht wenige von ihnen lassen sich mit der Mafia ein.

Bis zur Demontage aller Strukturen ist es da nicht mehr weit, nämlich nur sieben Tage. Dann zurrt Sollima die Fäden der episodischen Geschichte fest und verkündet mit grimmigem Witz die "Apokalypse". Die tritt ein, wenn nicht einmal die Mafia selbst noch für das nötige Maß an Ordnung sorgen kann, das eine Gesellschaft zum Überleben braucht. Ihr Prinzip, das staatliche Funktionieren auszuhöhlen, muss letztendlich sowieso im Chaos münden. Daran ist hier aber auch der Umstand schuld, dass die Erben der alten Mafiosi keinerlei Autorität mehr anerkennen und das Ränkeschmieden nicht beherrschen. Der Kinofilm führt genüsslich und Schlag auf Schlag vor, wie jeder Machthungrige die Quittung für seinen Dünkel bekommt. Natürlich lassen sich die Familien aus dem Süden nicht persönlich blicken, aber wer vor Ort mitmischt, sitzt auf einem Pulverfass. Da gibt es den von seiner Macht berauschten Politiker, die Drogenabhängigen und Dealer, die kriminellen Aufsteiger, den Platzhirschen, den hilflosen Mitläufer, den zornigen Chef eines Außenseiter-Clans.

Zu dieser Jahreszeit regnet es viel in Rom, und die Handlung spielt oft in der Nacht. Die Schönheit der Stadt, mit der beleuchteten Engelsburg am Tiber, wirkt traurig und verloren. So fühlen sich auch die Protagonisten selbst, wenn der Rausch der Gier und der Grenzüberschreitung nachlässt und sie ihre Lage realistischer überblicken. Darauf aber folgt unweigerlich das nächste tollkühne Aufbäumen. Die Polizei bleibt in diesem Film völlig außen vor. Ein Einkaufszentrum versinkt im Kugelhagel, Menschen werden in aller Öffentlichkeit bedroht oder gleich umgebracht. Eine melancholisch-treibende Musik begleitet die Charaktere auf ihrem fatalen Weg.

Fazit: Der Filmemacher Stefano Sollima zeichnet in diesem harten Mafia-Thriller ein düsteres Porträt der Stadt Rom, die auf den gesellschaftlichen Zusammenbruch zusteuert. Mit sarkastischem Humor und hohem Unterhaltungswert demonstriert der Film, wie unkontrollierbar und damit auch fragil das Geflecht aus Korruption, Politik und Unterwelt geworden ist.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.