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Kritik: Familienfilm (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der 1984 im heutigen Slowenien geborene Olmo Omerzu, dessen 65-Minüter "Prílis mladá noc" unter dem Titel "A Night Too Young" im Jahre 2012 auf der Berlinale Premiere feierte, liefert mit "Familienfilm" ein weiteres Werk, das bereits auf zahlreichen Festivals (etwa in San Sebastián, Tokio, Seattle und Melbourne) zu sehen war; dabei wurde es – völlig zu Recht – mit diversen Nominierungen und Auszeichnungen bedacht. Das sorgsam inszenierte Drama bietet feine Beobachtungen und vielschichtige Figuren. Die Weigerung des von Omerzu und Nebojša Pop Tasić geschriebenen Drehbuchs, sich an altbekannte narrative Formeln zu halten, verleiht der Handlung eine erfrischende Unvorhersehbarkeit, wie man sie im (Erzähl-)Kino zweifelsohne zu selten erleben darf. Obendrein werden die immer wieder überraschenden Geschehnisse von Kameramann Lukás Milota in stilvoll-treffende Bilder gefasst.

Nach dem Aufbruch der Eltern in den Segelurlaub ist "Familienfilm" zunächst eine Coming-of-Age-Geschichte im städtisch-begüterten Milieu der kontemporären Tschechischen Republik. Das Geschwisterpaar Erik und Anna wird von Daniel Kadlec und Jenovéfa Boková glaubhaft und mit Hingabe verkörpert: Die 19-jährige Anna versucht, der Elternrolle nach Möglichkeit gerecht zu werden, während der ruhig wirkende Erik bei aller Sanftmut ein typischer Teenager voller Widersprüchlichkeiten ist. In seiner Interpretation zwischen Hemmung und Neugier, Introversion und Impulsivität gelingt dem Leinwand-Debütanten Kadlec eine überaus eindrückliche Performance. Ebenso spannungsreich ist das Spiel von Eliska Krenková: Die Studentin Kristýna, die zur vorübergehenden Mitbewohnerin der Geschwister wird, ist eine sprunghafte Verführerin, die im Rahmen der Handlung nicht (wie es in einem schlechteren Film gewiss der Fall wäre) nur eine dramaturgische Funktion zu erfüllen hat, sondern ein interessantes, nicht gänzlich offengelegtes Eigenleben erkennen lässt.

Später wandelt sich das Werk in ein Ehedrama, dessen Konflikte von Karel Roden und Vanda Hybnerová überzeugend vermittelt werden. Bittere Wahrheiten und tief sitzende Verletzungen treten zutage – jedoch niemals im Stil einer Seifenoper, sondern in authentischer Anmutung. Auf einer dritten Ebene schildert "Familienfilm" den Überlebenskampf des Hundes Otto – ohne Abenteuerfilm-Klischees, vielmehr ehrlich-anrührend und in wunderbaren Aufnahmen eingefangen.

Fazit: Eine erstaunlich unvorhersehbare Geschichte über familiäre Probleme und Verantwortung, mit exzellentem Ensemble und einem tollen Filmhund.




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