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Ae Dil Hai Mushkil - Die Liebe ist eine schwierige...nheit
Ae Dil Hai Mushkil - Die Liebe ist eine schwierige Herzensangelegenheit
© Substance Film

Kritik: Ae Dil Hai Mushkil - Die Liebe ist eine schwierige Herzensangelegenheit (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Ae Dil Hai Mushkil – Die Liebe ist eine schwierige Herzensangelegenheit" bietet in seiner 158-minütigen Laufzeit einen sehr unterhaltsamen Mix. Zum einen ist das Werk von Karan Johar ("My Name Is Khan") ein eskapistisches Hochglanz-Spektakel, das den Hedonismus seiner Figuren feiert: In den Metropolen London, Paris, Lucknow und Wien fangen Johar und sein Kameramann Anil Mehta rauschhafte Momente ein – sei es auf einer Party in einem hippen Club, bei einem Auftritt in einer Jazz-Bar oder während eines traditionellen Hochzeitsfests. Die Locations sind schick, die Menschen attraktiv; das zentrale Figurenpaar Alizeh und Ayan wohnt in lichtdurchfluteten Apartments und kann sich Privatjets und Luxushotels leisten. Tanz und Gesang reißen mit – beispielsweise eine virtuos choreografierte Performance zu "The Breakup Song" in einer "stillen Disco", in der alle Beteiligten mit Kopfhörern ausgestattet sind.

Zum anderen ist der Film jedoch auch eine Parodie auf Bollywood-Darstellungen. So wollen Alizeh und Ayan etwa in den Bergen ihren Kino-Vorbildern nacheifern – und stoßen rasch auf amüsante Weise an ihre Grenzen. Wenn die beiden sich per YouTube-Tutorial darüber informieren, wie man einen Sari bindet, damit Alizeh stilecht agieren kann, oder Ayan erkennen muss, dass eine Schneelandschaft keine optimale Kulisse ist, um sich in einem coolen, aber nicht kältetauglichen Outfit zu bewegen, wird ein schöner Meta-Humor erzeugt. Die Story lässt an zahlreiche ältere Produktionen aus Indien denken – zum Beispiel an "Kuch Kuch Hota Hai – Und ganz plötzlich ist es Liebe" (1998, ebenfalls von Karan Johar) oder "Rockstar" (2011, ebenfalls mit Ranbir Kapoor in der Hauptrolle); gleichwohl schaffen es Johar und sein Team überraschend oft, im Rahmen der wirklichkeitsenthobenen Inszenierung und der weitgehend formelhaften Erzählung eine emotionale Wahrhaftigkeit hervorzubringen. Wie man einen Menschen zugleich lieben und hassen, vermissen und dessen Anwesenheit kaum ertragen kann und wie Gefühle einen nicht selten in den Wahnsinn treiben – das zeigt "Ae Dil Hai Mushkil" bei aller Überzeichnung durchaus glaubhaft. Überdies ist es erfreulich, dass hier vor allem die Freundschaft zwischen Mann und Frau zelebriert wird – nicht, wie sonst üblich, nur die romantische Liebe.

Die schauspielerischen Leistungen tragen entscheidend dazu bei, dass Johars Werk so gut funktioniert. Anushka Sharma verkörpert eine starke Heldin: Alizeh macht sich nichts aus Blumen, sondern bevorzugt Kakteen – und ist auch in anderen Bereichen eine pragmatisch veranlagte Person. In den Geschlechterrollen werden ungehemmt Klischees gebrochen; der von Ranbir Kapoor mit Hingabe verkörperte Ayan ist deutlich empfindsamer als Alizeh. Kapoors Mimik und Gestik hat (im besten Sinne) etwas Melodramatisches: Ayans angeschlagenes Ego wandelt sich mehr und mehr in eine schwere Liebeskrankheit. Bollywood-Superstar Aishwarya Rai Bachchan ("Liebe lieber indisch") kann als kluge Poetin überzeugen – und Sharukh Khan hat einen überaus lustigen Gastauftritt als deren Ex-Gatte.

Fazit: Eine gelungene Mischung aus Hochglanz-Feier, Parodie und glaubwürdigem Liebesschmerz, die in der Zeichnung ihrer Hauptfiguren mit Gender-Klischees bricht.





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